Eine Fastengeschichte – Teil 3: Stille 11


Nicht nur das Gefühl des Friedens konnte von mir im Wald und allgemein an diesem Ort wahrgenommen werden, auch das viel greifbarere Wörtchen Stille war eine adäquate Beschreibung. Und das, obwohl es sich dabei eigentlich um eine Art von Paradoxon handelt, das uns als Stadtmenschen vielleicht gar nicht so bewusst auffällt.
Der Wald ist alles andere als still. Er ist immerzu am Sprechen, durch seine Tiere, besonders die vielen Vögel und seine Blätter im Wind. Wenn ich auf der Wiese am Haus saß, hörte ich immerzu eine Wand aus Rauschen aus Richtung des Waldrandes und all das Gesumme, Gebrumme und Gezwitscher aus seinen Tiefen legte sich wie eine Art Melodie darüber.
Der Wald ist nicht ruhig. Er ist immerzu in Bewegung, in seiner eigenen Art und Weise ist er hektisch und geschäftig.
Aber warum verbinden wir ihn so sehr mit der Ruhe, die wir suchen, um uns endlich mal wieder entspannen zu können? Es ist das Gefühl, dem Lärm, der uns tagtäglich umgibt, entfliehen zu können. Keine Menschen, kein Straßenlärm, keine Bauarbeiten, kein Gerede, alles, was wir hören, sind Stimmen aus einer vollkommen anderen Welt – da wir sie nicht verstehen, vermitteln sie uns Ruhe und Stille, obwohl ein Wald im Sturm geradezu laut, fordernd und schreiend wahrgenommen werden kann, wenn man sich in ihn hineinfühlt. Selbst das Donnergrollen eines Gewitters kann sich für uns erholsam still anhören.
Stille ist eine Metapher. In der Großstadt stören uns die Vögel in der Früh mitunter sogar, hier im Wald sind sie pure Ruhe und Gelassenheit. Stille ist ein Symbol. Für den Frieden in unserem Herzen, den wir suchen. „Entschleunigung“ sagt man dazu heutzutage, doch das bleibt nur eine bedeutungslose Worthülse, wenn man nicht versteht, dass wir nach Frieden suchen. Frieden untereinander, Frieden mit jedem Lebewesen, Frieden in unserem Herzen.
Dabei sabotieren wir uns selbst, indem wir Kriege führen und Leben beenden, indem wir Misstrauen, Hass und Furcht kultivieren und Andersartigkeit verurteilen. Weil wir den Frieden in unserem Herzen nicht finden können, können wir ihn auch nicht in unserem Nächsten finden und müssen kämpfen.
Einer der größten Irrtümer der Menschheit ist meiner Meinung nach, dass Kampf notwendig ist, um Frieden zu erlangen. Weil wir dieses Prinzip kulturell über Jahrtausende in unsere Seele aufgenommen haben und in die Kollektivseele speisen, können wir in unserem Herzen keinen Frieden finden.
Der Wald ist nicht still. Wenn wir genau hinhören, können wir hunderte von verschiedenen Geräuschen ausmachen, doch sie alle haben eines gemeinsam: sie künden von Frieden. Selbst der Schrei des Bussards, der eine Beute erspäht hat, selbst das aufgeregte Flattern einer Fliege, die sich in einem Spinnennetz verheddert hat und nun zu entkommen versucht. Das ist eine gewagte These, ich weiß, doch ich denke, alles, was der Wald uns sagt, ist eine Botschaft an unser Herz, das nach Frieden sucht, und diese Botschaft lautet: Frieden ist möglich, lass ihn in dein Herz und beginne damit, Frieden mit dir selbst und deinen Dämonen zu schließen.

Zwei Tage nach meiner Begegnung mit dem Reh nutzte ich das sonnige Wetter für eine weitere, etwas ausgedehntere Wanderung durch den Wald. Mein Ziel waren zwei große Felsen in der Nähe, die auf den hiesigen Wanderkarten (nicht aber auf Google Maps!) eingezeichnet waren und die Namen Morgenstein und Abendstein trugen.
Auf dem Weg dorthin erlebte ich den Wald in seiner wortwörtlich stillsten Form, denn zur Abwechslung war es mal annähernd windstill. Ich ging einen langen Kiesweg entlang, der von jungen Nadelbäumen gesäumt war und unter der brennenden Sonne mutete er beinahe steppenartig an.
Ein Zitronenfalter setzte sich vor meine Füße und ich bewunderte ihn. Immer wenn ich wieder einen Schritt auf ihn zu machte, flog er auf und setzte sich einen Meter weiter wieder auf die Mitte des Weges. Dieses Spielchen wiederholten wir unzählige Male, bis es irgendwann zwei und dann drei Falter wurden, die sich alle genau gleich verhielten.
Ich hatte das Gefühl, dass sie mit mir spielen wollten, aber das war nicht alles: sie führten mich, den Weg entlang. Aber wäre ich den Weg nicht so oder so entlang gegangen? Wozu brauchte ich dabei Führung?
Ich bekam die Antwort, als wir auf einem kleinen Hügel ankamen und die Schmetterlinge beim nächsten Schritt in alle Richtungen davonstoben, obwohl der Weg noch einige Zeit weiterging.
Ich setzte mich auf die kleine Anhöhe mitten auf den Weg. Ein rationaler Teil in mir, der abenteuerlustige Teil, fragte sich, ob hier unter mir, in diesem kleinen Hügel vielleicht etwas versteckt wäre. Ein Schatz, ein Hügelgrab, das Nazigold? Da ich nicht graben würde, war die Antwort darauf irrelevant und als ich ein paar Minuten dort gesessen hatte und mir die Sonne ins Gesicht brennen ließ, fiel mir ein wunderschöner weiß-goldener Stein neben mir auf und ich wusste, dass dies der Schatz war, zu dem mich die Schmetterlinge führen wollten.
Ich nahm ihn mit und da ich mittlerweile schon ein paar Steine bekommen hatte, wurde die Ahnung immer größer, dass hier etwas Bestimmtes von mir verlangt wurde und ich gerade dabei war die notwendigen Puzzlestücke zusammenzusuchen.

Später erreichte ich den Morgenstein und war begeistert: Er lag inmitten eines riesigen Heidelbeerfeldes und war wild überwuchert und erkletterbar. Ich kletterte so hoch ich konnte – auf der anderen Seite ging es zwar ins Tal, doch eine wirklich gute Aussicht gab es nicht – nur Wald wohin man auch blickte. Es zeigte zumindest eindrucksvoll, wie riesig das Waldgebiet hier ist.
Mir ist natürlich bewusst, dass der Stein gegen jede Aussicht von einem richtigen Berg vor Neid erblasst. Ich fand es trotzdem sehr schön dort (wie schon gesagt: ich kann mich auch an den kleinen Dingen erfreuen) und nahm die Stille in mich auf.
Faszinierend finde ich, wie auf solchen Steinen, ohne richtiges Erdreich ganze Bäume wurzeln und gedeihen können.

Morgenstein

Die nächsten Tage nutzte ich zum In-mich-kehren, Schreiben, Lesen und für Spaziergänge, auf denen immer klarer wurde, um welche Themen es hier im Detail ging, indem ich die zugehörigen Steine geschenkt bekam.
Auch gab es das Wetter her, endlich mal einfach nur in der Sonne zu liegen, der Natur zuzuhören, zu lesen und sich etwas bräunen zu lassen. Einen leichten Sonnenbrand im Gesicht hatte ich mir schon geholt, weil ich der Sonnencreme, die ich mitgenommen hatte, zu sehr vertraut und die Sonne etwas unterschätzt hatte. Dabei wusste ich längst, dass Sonnenschutzcremes gar nicht so gut wie ihr Ruf sind – nicht etwa wegen ihres unzureichenden Sonnenschutzes, sondern vielmehr, weil sie die in erster Linie für Hautkrebs verantwortlich gemachte UVA-Strahlung der Sonne, die in tiefere Hautschichten vordringt weit weniger effektiv blockiert als die UVB-Strahlung, die an der Hautoberfläche zu Sonnenbrand führt. UVB ist allerdings zusätzlich für die Bildung von Vitamin D verantwortlich und in einem Land, in dem ein statistischer Vitamin-D-Mangel bei mindestens 60% der Einwohner besteht, erscheint das nicht sonderlich sinnvoll. Zudem enthalten viele der Cremes Stoffe, die paradoxerweise mittlerweile selbst als krebserregend gelten, zahlreiche Nebenwirkungen haben (z.b. Oxybenzon) und trotzdem noch Anwendung finden.
Ich hab deswegen nach ein wenig Recherche auf den Rat einer Freundin gehört und mir im Dorf Kokosöl geholt, welches einen relativ guten Schutzfaktor haben soll, dabei aber die Vitamin-D-Produktion nicht beeinträchtigt. Es ist ein etwas gewöhnungsbedürftiges Gefühl, sich damit einzuschmieren, doch bisher hat es ziemlich gut funktioniert. Mein leichter Brand im Gesicht, den ich zusätzlich noch mit Nachtkerzenöl behandelt habe, war sofort wieder weg und es kam nichts hinterher. Natürlich muss man fairerweise dazusagen, dass das Wetter dann wieder bewölkter wurde und vor allem: am Wichtigsten ist es, es mit der Brutzelei nicht zu übertreiben. Trotzdem kann ich nur empfehlen, lieber etwas umsichtiger zu sein, anstatt sich mit Sonnencremes vollzuschmieren – allein schon euer Vitamin-D-Spiegel wird es euch danken.
Vitamin D war einer der Stoffe, die ich auf meinem Weg zur Sonne, von dem ich auch in letzten Teil schon gesprochen habe, entdeckt habe. Sonnenlicht ist natürlich weit mehr als Melatonin und Vitamin D, doch ein Mangel an Licht in unserem Leben wird sich auf beide Faktoren messbar auswirken. Dazu kann ich nur jedem empfehlen einen Vitamin-D-Test zu machen (dieser wird von der Krankenkasse mittlerweile übernommen, auch wenn euer Arzt sagen wird, dass das nicht stimmt! Überzeugt ihn! Wenn nicht, geht zu einem anderen oder zahlt eben die 30€ für den Test), denn die Bezeichnung ist irreführend: Vitamin D ist eher ein Pro-Hormon denn ein Vitamin und nimmt Einfluss auf unheimlich viele Stoffwechselprozesse und hormonelle Wirkkreise.
Damit das hier aber nicht wieder total aus dem Ruder läuft, verschieben wir dieses Thema lieber, vielleicht wird es mal eine eigene Auseinandersetzung mit diesem Thema auf Ethnobotanica geben.

Was man beim In-der-Sonne-liegen auch toll machen kann und was (wie beim Barfußlaufen) garantiert jeder zwar schon mal gemacht hat, aber viel zu selten tut und sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern kann, wann es das letzte der Fall war:
In den Himmel schauen und Wolken beobachten. Sie nicht nur so nebenher am Horizont wahrnehmen, nein, sie direkt über uns, wenn wir flach auf einer Wiese liegen, über uns hinwegziehen sehen. Na, wann war es das letzte Mal?
Ich selbst erinnere mich nur an eine Handvoll Male, die ich das so bewusst genossen hatte und es viel mehr als Träumerei, nämlich eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Himmelreich über unseren Köpfen, war.

Das eine Mal war am 1. Juni 2012 an der Isar. Ich weiß das noch so genau, weil für meine Begleitung und mich dort im Himmel nach einiger Zeit Dinge geschahen, die ich noch nie gesehen hatte: Der Himmel wurde von einem unendlichen Meer, auf dessen Grund ich mich befand und mein ganzes physikalisches Weltbild um 180 Grad drehte, indem mir klar wurde, dass ich die Wasseroberfläche von unten sah und die Welt dahinter die eigentliche Oberfläche war, zu einem brennenden Flammenmeer. Die züngelnden Flammen in Gestalt der sich immer wieder verformenden und gegenseitig aufzehrenden Wolken leuchteten orange-rot unter dem Licht der Sonne und irgendwann konnte ich die Sonnenstrahlen in Regenbogenfarben an den Kanten der Wolken brechen sehen. Der Himmel war ein Meer aus Regenbögen und Flammen an einer sich kräuselnden Wasseroberfläche, die ich vom Grund des Meeres aus betrachtete.
Wenn euch diese Erfahrung irgendwie komisch surreal vorkommt, so habt ihr das richtig erkannt – es war Teil einer psychedelischen Erfahrung, für die es noch einen eigenen Bericht auf Ethnobotanica geben wird (In Arbeit seit gerademal 4 Jahren).

Das letzte Mal war im August 2014, als ich den Tag in der Wüste verbrachte. Ich sah am Himmel (und das fiel mir auch dieses Mal nach einer Zeit wieder leicht auf, wenn auch nur angedeutet) eine hauchdünne Schicht, auf der eine Art von geometrischem Muster erschien, wenn sich die Wolken darüber (oder darunter?) schoben. Es sah aus wie eine Kuppel, die über mir gespannt war und wieder erschien mir der Vergleich mit der Wasseroberfläche passend. Die geometrischen Formen wurden mehr und mehr zu Symbolen und ich erkannte sie (fragt mich bitte nicht warum) als Henochisch. Ich hatte plötzlich die ganz klare Gewissheit, dass ich die implizite Realität (Ich werde später noch einmal auf diesen Terminus zurückkommen) sehen konnte. Ein Barcode am Rande des Universums, in dem die Existenz des gesamten Universums und jegliche Information codiert war, und der den Projektor für die umfassende Holographie, die unser Bewusstsein wahrnahm, darstellte. Ich war klein, unbedeutend, nur ein Lichtstrahl, ein Quant, ein Elektronen-Spin, nur die Ausprägung der einen selbstähnlichen Information, die sich in allem Leben immer wieder und wieder widerspiegelte und damit mit allem verbunden war.

WüsteUndHimmel

Dies nur als kleine Anekdoten dafür, dass die Wahrnehmung und das Bewusstsein sehr viel mehr an und in der Welt finden können, wenn man sich ihr hingibt, als wir im Hamsterrad des modernen Lebens, mit dem Tunnelblick geradeaus, jemals erfahren könnten.

Die Wolken zogen still über mich hinweg, die Sonne brannte still auf mich herab, der Wind rauschte still in den Bäumen und die Vögel zwitscherten still ihre Lieder. Ich war in einem Zustand höchsten Friedens.
Doch manchmal wurde mir das zu viel. Zu viel Stille, zu viel Frieden, zu eintönig, zu wenig Schwingung. Ich habe hier wieder gemerkt, wie sehr ich die Stille genießen kann, doch wie sehr mir auch die Abwechslung, die Schwingung, die Frequenz, die Komposition anderer Art fehlt. Und das ist in allererster Linie tatsächlich die Musik.
Musik inspiriert mich auf eine vollkommen andere Art und Weise, als es der Wald, der Wind, das Meer, die Natur an sich vermag. Interessanterweise inspiriert sie mich weitaus mehr, auch wenn das irgendwie ungehörig klingen mag. Wenn ich meine Art zu schreiben, mein künstlerisches Schaffen also, genauer betiteln müsste, so wäre dies „Von Musik inspiriert“. Wenn ihr euch vorstellt, wie ich hier sitze, auf der Steintreppe z.B., in die Weite und auf den Wald blicken kann und gerade schreibe, dann stellt euch auch immer Musik dazu vor. Ich kann nicht ohne den Klang, der sich von dem der Natur abhebt. Bin ich deswegen irgendwie fehlerhaft konditioniert? Das ist eine ernstgemeinte Frage, ich weiß es nämlich selbst nicht.

Interessanterweise erlebte ich hier deswegen einige Male folgende Situation:
Ich gehe durch den Wald, liebe seine Stille und seine Geräusche aber plötzlich denke ich mir: Jetzt wäre ein wenig TesseracT toll. Oder BMTH. Oder La Dispute. Oder eine der 37 neuen kleinen Bands, die ich im letzten Monat auf Spotify entdeckt habe. Oft habe ich sogar schon ein bestimmtes Stück im Kopf, das jetzt schön wäre, das irgendwie gut dazu passen würde, dass die Komplettkomposition der Welt um eine Art „dramaturgischer Note“ erweitern und vervollständigen würde.
Und dann habe ich ein schlechtes Gewissen; weil ich das Gefühl habe, die Natur nicht genug zu würdigen, sie übertönen zu wollen. Ich habe das mit der Musik tatsächlich deswegen immer gelassen, aber ich frage mich, ob das wirklich die richtige Entscheidung ist? Und warum das überhaupt so ist?
Ich habe meistens Kopfhörer auf, wenn ich unterwegs bin, eigentlich so gut wie immer. Der Weg zur Arbeit in der Früh, auch wenn es nur 10 Minuten sind, ist mit Musik immer hundertmal schöner, als ohne. Ich dachte mal, dass ich das auch deswegen machen würde, damit ich mich von den Menschen um mich herum, in der Großstadt, abkapseln kann, direkt signalisieren kann, dass ich in meiner eigenen kleinen Welt versunken bin, aber das ist es nicht (abgesehen davon, dass das gar nicht funktioniert, weil es in allererster Linie um die Ausstrahlung geht; man wird trotzdem alle naselang angequatscht, wenn man offen dafür ist). Nein, der Grund ist ganz einfach: Ich liebe Musik einfach. Ihre Vielfalt, ihre Inspirationsfähigkeit, ihre Kraft. Ich weiß, die meisten Menschen sagen von sich, dass sie Musik lieben, aber für mich ist sie meistens kein Hintergrundgeräusch, sondern, wie schon erwähnt, eher eine Art von Vervollständigung.
Und paradoxerweise, um den Bogen zu schlagen, gibt sie mir Frieden (Ich möchte jetzt lieber nicht näher darauf eingehen, was das für Musikgenres sind, die bei mir hauptsächlich laufen; das würde lediglich zu Kopfschütteln führen und in den Augen einiger Leuten meine ganze Naturverbundenheit ad Absurdum führen. Es ist auch für die Erzählung und die dazugehörige Aussage nicht relevant).

Etwas Ähnliches merkte ich auch im Wald, als ich einen Bach fand, der wunderschön vor sich hinplätscherte. Ich setzte mich dazu und hörte einfach nur zu und es war wundervoll. Eine Zeit lang lies ich meine Kamera mitlaufen, weil ich das Gebirgsbächlein mit dem Plätschern für ein schönes Videomotiv hielt.

Bach_filmen

Irgendwann vermisste ich aber etwas und ich bereute es, meine Flöte, meine Rasseln und/oder meine Trommel nicht mitgenommen zu haben. Vor allem meine Flöte hätte mir als Ergänzung jetzt gut gefallen.
Um das nicht falsch zu vermitteln: ich bin kein Musiker. Ich bin alles andere, nur kein Musiker. Hier geht es mir eher um die einfachen Klänge, eine Art von Rhythmus zur Ergänzung einzubringen. Vielleicht möchte ich mich in der Form auch mit der Natur verweben und etwas Neues schaffen, eine Art der Realitätsproduktion also. Trommeln und Rasseln würde ich sowieso nicht als richtige Musik betrachten, wobei ich das nicht abwertend sondern rein deskriptiv meine. Die Flöte hat es da schwerer: Ich will sie ebenfalls so einsetzen wie die Rasseln und die Trommel, doch das scheint allgemein nicht anerkannt zu werden, weswegen ich von befreundeten Musikern schon öfter mal abschätzige Kommentare zu meiner „Flötkunst“ bekam ;) Aber ich möchte noch mal betonen: es geht hier nicht um großartige Komposition, sondern nur um eine Nuance.
Diese Nuance habe ich dann in der eben erzählten Situation einfach mit Pfeifen abgebildet. Das Video gibt es bereits auf meinem Youtube-Kanal (wahnsinnig spannend, ich weiß): An den Wald. Und vielleicht traue ich mich irgendwann in so einer Situation ja auch die Nuancen mit meiner Stimme beizubringen.

Wenn wir schon bei Musik und meinem Aufenthalt vor der Erkenntnis, wofür ich tatsächlich hier war, sind, möchte ich kurz von der Begegnung mit meiner Vermieterin erzählen. Diese war nämlich sehr angenehm und ich möchte diese Stelle nutzen, um mich bei ihr für die Offenheit dem Fasten gegenüber und die vielen inspirierenden Gespräche über Kunst, Musik, Literatur, Kräuterkunde, Natur und Spiritualität zu bedanken; ihre Tochter ist Sängerin bei verschiedenen Musikprojekten und bereicherte das Schreiben dieser Geschichte mit sehr schönen Stücken. Zwei davon möchte ich als Tribut hier kurz erwähnen, die da wären „Where will you go“ von Lena Sundermeyer und „Erdbebenstimmung“ vom Wortart Ensemble.
Es ist für mich nicht so selbstverständlich auf so viel Verständnis für den Weg den ich gehe zu stoßen. Tatsächlich war es sogar so, dass die Unterkunft, die ich mir ursprünglich ausgesucht hatte, letztlich nicht für den kompletten Zeitraum den ich geplant hatte, an mich vermietet werden konnte, weil es der Vermieterin, wie ich anhand ihrer Ausführungen annehme, merkwürdig vorkam, dass ich alleine für so eine lange Zeit am Waldrand Urlaub machen wollte. Umso besser war das für mich.
Natürlich gehört in diesen Absatz wohl auch hinein, wo genau ich war, ich kann es nur empfehlen, falls jemand von euch dort mal Urlaub machen möchte: Ferienwohnung Wildblume.

Wildblume

Nun hatte ich ein paar Tage damit zugebracht für mich zu sein, mich auszutauschen, der Stille des Waldes zu lauschen, die Sonne anzubeten, Musik zu hören, zu schreiben, zu lesen, und all das ohne Energie aufs Essen verschwenden zu müssen, sowie auf meinen Spaziergängen die notwendigen Steine als Basis für den Grund meiner Reise zusammenzusammeln, die Puzzlestücke der Heilung, zu der die Welt mich hergerufen hatte, eine Heilung, die nicht nur mich selbst betreffen sollte.

Als ich alle Steine zusammen hatte, wurde es Zeit sie in Verbindung zu bringen, in ihnen die relevanten Themen zu erkennen und zu sehen, welche Opfer die Heilung von mir verlangen sollte.

~ Fortsetzung folgt ~


Zu den anderen Teilen der Fastengeschichte geht es hier:
Teil 1: Eine Fastengeschichte – Große Erwartungen
Teil 2: Eine Fastengeschichte – Im Wald der Wandlung
Teil 3: Eine Fastengeschichte – Stille
Teil 4: Eine Fastengeschichte – Lebendige Steine
Teil 5: Eine Fastengeschichte – Licht und Dunkelheit
Teil 6: Fastentagebuch 2016 – Das Despacho (In Arbeit)
Teil 7: Fastentagebuch 2016 – Chaos und Ordnung (In Arbeit)
Teil 8: Fastentagebuch 2016 – Retrospektive (In Arbeit)

Zu meinen Fastenhistorien:
Teil 1: Fastenhistorie 2012
Teil 2: Fastenhistorie 2013
Teil 3: Fastenhistorie 2014
Teil 4: Fastenhistorie 2015 – Teil 1
Teil 5: Fastenhistorie 2015 – Teil 2 (In Arbeit)
Teil 6: Fastenhistorie 2016 (In Arbeit)
Teil 7: Fastenhistorie 2017 (In Arbeit)

Fastentheorie:
Teil 1: Fastentheorie.


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11 Kommentare auf "Eine Fastengeschichte – Teil 3: Stille"

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zaraxy
Gast

Das mit der vermeintlichen Stille kommt mir nur allzu bekannt vor. Obwohl ich weiß und es schon oft erlebt habe, dass es in der Natur nur sehr selten wirklich still ist, verbinde ich mit ihr Ruhe. Seitdem ich vor kurzem mitten im Nirgendwo am Atlantik mit seinen gewaltigen Wellen war, träume ich oft vom Meer – das war wie die Begegnung mit einer Urgewalt. Das ist es wohl, was man die Erfahrung des Erhabenen nennt.

Alex
Gast

„Die Erfahrung des Erhabenen“. Das klingt gut und schlüssig. Das Erhabene als Naturgewalt kann uns Stille, Ruhe und Frieden geben, auch wenn es alles andere als still ist, da es uns auf einer höheren Ebene (daher die Träume) weit überlegen ist :)

Max
Gast

„…[beim Musikhören] habe ich ein schlechtes Gewissen; weil ich das Gefühl habe, die Natur nicht genug zu würdigen, sie übertönen zu wollen.“
Versuch mal die Menschen als Teil der natur zu sehen. Die machen halt auch Geräusche. Die meisten davon sind halt lärm, aber es gibt halt auch die wundervollen geräusche. Eben (nicht Flöten-) Musik :P

Max
Gast

PS: gestern auf ner party hatten wir irgendwann auch ne blockflöte, und selbst eine die das echt gut konnte klang in meinen ohren schrecklich. ist also nix persönliches [auf dich bezogen, sondern persönlich auf mich].

zaraxy
Gast

Ich finde, es macht auch nochmal einen Unterschied, ob man Musik mit Kopfhörern hört und sich so eine Art Soundtrack schafft, oder mit einem Ghettoblaster durch die Gegend läuft und seine Umgebung beschallt. Macht man dagegen selbst (Flöten-)musik ist das ja wiederum mehr eine Art von Dialog, also ganz was anderes…

Alex
Gast

Ich habe das gestern Abend ausprobiert; ich wollte den Wald, der in dichten Nebel getaucht war, mit Musik erleben. Ich hatte mich für eine Neuentdeckung entschieden: „As you’re vanishing in silence“ von „All my Faith lost…„.
Kurz bevor ich am Waldweg angekommen war, hörte ich eine Stimme durch die Kopfhörer; ein kleiner Junge rief immer wieder laut „Hallo, hallo!“ und ich hörte es erst ein paar mal nicht.
Ich nahm die Kopfhörer raus und er fragte mich:
„Was machst du?“
„Ich geh‘ ein bisschen in den Wald“, anwortete ich und deutete auf die im Nebel versunkenen Bäume.
„Und dabei Musik hören?“, fragte der Junge und ich nickte.
„Ich hasse Musik“, sagte er trocken und abfällig, drehte sich um und rannte weg.

Soviel zum Versuch mein schlechtes Gewissen zu ignorieren ;)

juuuuulchen
Gast

Lustig, das mit der Musik. Bei mir läuft nur noch selten Musik, eben weil ich sie meistens nicht als „Hintergrundgeräusch“ haben möchte. Aber wenn ich dann mal Musik höre, dann genieße ich es sehr.
Ich glaube letztlich, dass wir uns nicht zu sehr durch schlechtes Gewissen wegen des vermeintlich richtigen Verhaltens aufhalten sollten. Vielleicht ist einfach das richtig, was sich gut und richtig anfühlt und ich glaube nicht, dass die Natur es dir übel nimmt, wenn du auch menschlichen Melodien lauschst.

Alex
Gast

Die Sache mit der Musik scheint ja das Interessanteste hier zu sein :D Sicher ist es so wie du sagst – aber ich glaube wir ruhen uns auch zu oft auf dem „Wenn es sich richtig anfühlt“ aus und hinterfragen es zu selten – es geht ja auch um neue Erfahrungen, das Erreichen von Grenzen der Komfortzone, neue Perspektiven und Bewusstwerdung vorhandener Konditionierungen. Und ich glaube, dafür sollte man solche Fragen stellen und sich absichtlich auch mal anders als gewohnt verhalten :)

juuuuulchen
Gast

Klar, die Frage ist berechtigt und es gibt vermutlich noch einen Unterschied, ob es sich tatsächlich richtig und stimmig anfühlt oder eben nur oberflächlich richtig, vielleicht weil man damit andere Dinge verdrängt oder nicht an sich ran lässt.
Aber ich muss sagen, es hat mich neulich, als ich an der Uni jemanden gesucht habe, den ich nach dem Weg fragen kann, erstaunt, wie viele Leute sich aus meiner Sicht in ihrer Kopfhörer-Welt eingeigelt haben und wie lange es gedauert hat, bis mal jemand vorbeikam, den ich ansprechen konnte/wollte.

Nils
Gast

Hey Alex,

wollte eigentlich nur im Shop nachschauen, ob mittlerweile Agua de Kananga verfügbar ist. Bin dann über Dein Fastentagebuch gestolpert und hängengeblieben. Der Holzhau-Bericht ist inspirierend, motivierend und spannend, habe mich schnell mit Dir verbunden gefühlt.

Der lebendige, einfühlsame Schreibstil hat zu mehreren Gänsehautmomenten geführt: der „Fluch des Ertrunkenen“ war sehr ergreifend. Außerdem hat mich Dein „zweites Frühlingerwachen“ berührt. Die Beschreibung der Landschaft, die Aufzählung der verschiedenen Pflanzen, auch wenn es banal erscheinen mag, hat bei mir eine tiefe Resonanz hervorgerufen… keine Ahnung, schwer zu beschreiben, wie ein undefinierbarer Flashback…

Vielen Dank dafür, ich werde auf jeden Fall demnächst wieder mal rein schauen!

LG
Nils

Alex
Gast

Hallo Nils!

Das ist sehr schön, das zu hören :) Es bedeutet mir viel, wenn ich damit jemanden erreichen und irgendetwas, völlig egal was, auslösen kann :) Vielen, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich würde mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn du die Fortsetzung dann auch liest :)

Kananga ist zwar gerade nicht im Shop verfügbar, ich habe aber noch zwei Fläschchen rumstehen und Ende der Woche bekomme ich Neue! Schreib mir doch bitte noch per Mail oder Kontaktformular, was du bräuchtest! :)

LG
Alex