Veränderung 4


Wie in diesem Beitrag schon angedeutet, hatte ich ja nach einer neuen längeren Pause im Blog das Gefühl, dass es einiges an Veränderungen zu thematisieren und auch zu manifestieren gilt. Ein Großteil einer Manifestation fand ja seitdem innerhalb des Blogs schon durch die Designänderung (sowie die Anpassung des Designs auch für meine anderen Seiten) statt. Ein weiterer Punkt ist (in meinen Augen) das Aufkommen der ganzen Youtube-Thematik sowie der Andeutung, dass sich die grundlegende Thematik dieses Blogs verändern muss und wird.

Aber immer wieder merke ich, dass ein Aspekt der ganzen Entwicklung noch fehlt: das, was dahintersteht. Das, woraus sich diese Manifestationen entwickelt haben und weiter entwickeln wollen. Der Kern des Blogs, der einst so klar abgegrenzt und dann immer schwammiger wurde. Was ihm aber immer gefehlt hat: meine Person. Der Ausdruck meines Wesens. Keine Sammlung an Themen und Informationen. Sondern die Manifestation meiner Selbst. Und was er trotzdem immer zu sein versuchte, in den Geschichten. Doch ich selbst arbeitete immer ein wenig dagegen an. Warum? Weil ich den Großteil meines bisherigen Lebens in der Wahrnehmung und Emotion verweilte, dass ich mich aus den Dingen herausnehmen muss (oder will). Irgendeine Art von “Selbstverwirklichung” stand für mich nie im Vordergrund meines Seins und ich meine mittlerweile verstanden zu haben, dass das daran lag, dass ich genug (oder zu viel?) damit zu tun hatte mich selbst zu finden. Mich selbst erst mal besser zu verstehen.

Am Anfang war dieser Blog das Gemeinschaftsprojekt von Nex und mir mit dem Ziel die holographische, illusionäre und dramaturgische Beschaffenheit der Welt zu beschreiben und anhand eigener Erfahrungen ein wenig besser zu verstehen. Oder sie einfach nur aufzuzeigen. Morphogeschichten, die auch fernab des Kontextes eines komplexeren Innenlebens funktionieren und dann sowohl philosophisch als auch technisch genauer untersucht werden sollten. Selbst das erwies sich immer als relativ schwierig und lieferte im Endeffekt lediglich Fragmente.

Dann begann ich meine schamanische Ausbildung. Mein ganzes Leben hatte ich mich bereits mit spirituellen Konzepten, insbesondere denen der Chaosmagie, beschäftigt. Mit 12 hatte ich zum ersten Mal den ersten Band der “Bücher der praktischen Magie”, “Ritus und Zeremoniell der Magie” von H. E. Douval gelesen. Nicht komplett versteht sich. Und verstanden hatte ich nichts davon wirklich. Aber ich mochte die Geschichten, die hinter den Ritualbeschreibungen standen. Immer war mir klar, dass hier der schmale Grat zwischen Dramaturgie und Wirklichkeit zusammenfiel – und ich liebte es. Es folgten unzählige Nachmittage an den Esoterik-Regalen der Stadtbibliotheken, bis ich irgendwann sagen konnte, dass ich beinahe jedes Buch dort zumindest mal in der Hand gehabt hatte. Irgendwann blieb ich bei Frater V.D. hängen, mit dessen Werken und dessen bekannten Sinnspruch ich mich am meisten identifizieren konnte:

Ubique Daemon Ubique Deus

Die Schamanische Ausbildung änderte die Rezeption der Esoterik und Magie für mich. Ich hatte großes “Glück” mit meinen Lehrern, denn bei ihrer Schule handelt es sich nicht um das, was heutzutage in der Szene leider üblich ist: eine Rekrutierungsstätte für den Ausbau eines Pyramidensystems. Im Gegenteil: es ging ganz allein um uns, unser Wesen und um die spirituelle Selbstfindung. Früher dachte ich allerdings noch, es ginge tatsächlich darum die Techniken und das “Ritus und Zeremoniell” der andinen Schamanen so zu lernen, dass ich einer von ihnen sein würde, eines Tages. Deswegen floss das in den Blog. Doch es wusste nie so genau, was es sein wollte; Tutorial? Einblick in die spirituelle Welt? Aufbau eines Schamanen-Daseins? Oder doch nur die Betrachtung der Morphogeschichten unter einem neuen, dem gerichtet spirituellen Gesichtspunkt?

Mesa

Warum ich diese Ausbildung überhaupt gemacht habe, habe ich nie erwähnt, doch ist es etwas, was immer Teil meiner Werke war und vor allem derjenige, der Dark Passenger kennt, weiß um deren Strömung. Es war etwas, was immer Teil von mir war und wohl auch immer sein wird: der Dunkelheit in mir und meiner Liebe zu ihr. Aber nicht nur. Es war auch die Depression in ihrer reinen, psychiatrischen Form. Und dass es sich dabei NICHT um die gleichen Strömungen handelt, musste ich erst noch verstehen (und es fordert mich auch heute noch heraus).

Dunkle Materie

Die Depression aufgrund meiner Kindheitstraumata zwang mich in einen Zustand der Selbstzerstörung und in den Selbsthass. Die Verdrängung der Depression zwang mich in die Gleichgültigkeit durch Antidepressiva. Doch die Antidepressiva versagten langfristig natürlich und die nicht verarbeiteten traumatischen Erfahrungen und die vorhandenen energetischen Imprints sowie die unreflektierten Hinterlassenschaften meiner Eltern brachen sich immer wieder erfolgreich in der Selbstzerstörung und mitunter auch dem Wahn Bahn. Ich habe das nie so deutlich öffentlich niedergeschrieben, doch die schamanische Ausbildung war meine Rettung; auch wenn sich dadurch nicht alles in Luft auflöste und ich seit ihrem Ende so viel mehr noch arbeiten musste und auch immer müssen werde, kann ich diese zwei Jahre als Startschuss für den Weg in die richtige Richtung erkennen.

Es folgten immer wieder Episoden, die mich so tief zurückschleuderten, dass ich dachte, dass wohl alles umsonst gewesen war. Jeder, der dieses Gefühl kennt, wird sich in dieser Aussage wiedererkennen; im Auf und Ab der Depression. Womöglich sogar im noch stärkeren Auf und Ab eines manisch-depressiven Seins, der Bipolaren Störung. Oder – unter einer anderen Betrachtung formuliert: Im Auf und Ab einer Kombination aus Hochsensibilität und Reizüberflutung/Überforderung. Diese Episoden waren immer Teil dieses Blogs. Als Pause. Nie wirklich thematisiert.

Wegen all diesem Auf und Ab immerzu, der immer wieder auftauchenden Dunkelheit, der Überforderung, der Manie und der Depression, dem Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit, von dem ich dachte, er wäre ein unumstößlich fester Bestandteil meines Lebens, war ich allgemein immer etwas “langsamer”: Nach 10 Jahren Studium schloss ich dieses beispielsweise erst Ende 2013 endlich ab. Aber auch hier war es so, dass ich nie wirklich damit gerechnet hatte; das Studium war immer zum Zeit schinden gedacht. Als es mir dann doch immer besser ging und sich merklich etwas in mir veränderte und es nicht nur manische Phasen sondern endlich auch echte Stabilität gab, zog ich es durch und holte in einem einzigen Semester beinahe das komplette Hauptstudium nach. In den Händen hielt ich dann letztlich tatsächlich den Magister Artium. Doch wofür?

Ich entfernte mich wieder etwas von der Ritualistik des Schamanismus. Es war in meiner Welt einfach nicht alles, worum es ging. Nicht der Kern dessen, was ich in mir wiederfand und was an die Oberfläche wollte. Was durch den Schamanismus, durch die gelebte Spiritualität jedoch tatsächlich an die Oberfläche kam, das war das Licht. Ich begann das Licht immer mehr zu lieben und fühlte mich der Sonne immer näher. Saß ich vor 10 Jahren noch im Dunkeln, machte die Nacht zum Tag und hasste die Sonne, liebte nur den Regen und die Dunkelheit, fühlte ich nun immer mehr, dass meine Verbindung zu Intitaita, Vater Sonne, immer stärker wurde.

Intitaita Logo

Neben dem aufgehenden Licht war die größte Veränderung die Klärung der Rollenbilder in meinem Leben und deren Ursprünge in meinen Eltern, Ahnen und sogar Vorleben. Mit meinem Weltbild das Leben als Geschichte mit einer inhärenten Dramaturgie zu begreifen, suchte ich Puzzlestück um Puzzlestück zusammen, um das Gesamtbild zusammenzusetzen. Besonders die Rolle meiner Mutter und meine Rolle in ihrem Leben waren dabei von großer Bedeutung. Auch ohne die gelebte, andine, schamanische Ritualistik war der Moment, in dem ich nach so vielen Jahren Kommunikation in schamanischen Reisen mit ihr, endlich das sich langsam immer mehr in mir manifestierende Licht nutzen konnte, um ihr einen verlorenen Seelenanteil aus ihrer Kindheit zurückzugeben – 25 Jahre nach ihrem Tod – , einer der größten Schalter zur Veränderung in meinem Leben.

Die Vertraulichkeit dieser Informationen soll etwas verdeutlichen: obwohl es sich dabei um tiefgreifende Ereignisse aus meinem Leben handelt, die auch immer Geschichten sind, weiß dieser Blog davon praktisch nichts. Mit seiner Veränderung zu meinem Blog ist es aber wichtig zu wissen, woher ich komme, wer ich bin, womit ich mich beschäftige und wohin ich gehe.

Nach dem Studium dann begann ich festangestellt in der IT zu arbeiten; ich hatte zwar auch schon zu Studienzeiten gearbeitet, allerdings nur als Werkstudent. Der Wechsel zum “geregelten Tagesablauf” machte mir nicht nur große Angst, er überforderte mich schlichtweg, doch ich scheiterte (zumindest an der Oberfläche) nicht daran. Auch wenn ich Glück hatte, mit den Freiheiten in meinem Job, so weiß ich nach nun beinahe zwei Jahren eines deutlicher denn je: Im Büro zu sitzen ist nicht das, was ich mir alleinig für mein Leben vorstelle. Der Wunsch nach künstlerischer Selbstverwirklichung war noch nie so stark in mir, wie das aktuell der Fall ist.

Und so kam ich wieder hier an. Im meinem Blog, der nie wirklich wusste, wer er eigentlich sein wollte und wer ich eigentlich bin. Dabei spiegelte er nur meine eigene Zerrissenheit im Gefüge der Welt und genau das soll sich hier nun, genau wie in mir, ändern. Es soll hier tatsächlich in erster Linie um mich, meine Interessen, meine Erlebnisse und meine künstlerische Selbstverwirklichung gehen. Für mich ist die Welt getrieben von Dramaturgie und das war in Wirklichkeit immer der Grund, warum ich Morphogeschichten schreiben wollte. Doch ich möchte die Vorsilbe “Morpho-” nun weglassen bzw. ihre Bedeutung neu belegen und mich selbst mit meinem ganzen Sein und allem, was mich ausmacht, in die Geschichte der Welt werfen.

“Alles, was mich ausmacht” ist das Stichwort dieses vorletzten Absatzes: ich habe mich immer herausgenommen, aus den Dingen, die passiert sind, aus Beziehungen, aus Strukturen, in denen ich eigentlich fest verankert bin, war mir selbst nie genug, nie gut genug und gleichzeitig abgehoben, aber vor allem habe ich auch viele Strömungen in mir immer ignoriert oder gar verteufelt. Die Liebe zu den Dingen, die man als Spiritist oder Schamane gern als trivial bezeichnet, die Liebe zur Technik, die Liebe dazu einfach mal nur Konsument zu sein, die Liebe zu Filmen, Serien und Computerspielen, zu all den Oberflächlichkeiten des Lebens, die scheinbar so gar nichts mit tieferen Bedeutungen oder Spiritualität zu tun haben, die Liebe zum Sport, zur Wissenschaft, zur stumpfen Unterhaltung. All diese Facetten möchte ich viel mehr leben. Ohne das Gefühl zu haben, dass ich damit meine Zeit verschwende oder ich damit der “Endstation Spiritualität” den Rücken zukehre.

Dieser Blog soll ein Werkzeug dafür sein, das eines Tages vollumfänglich zu erreichen. Aber ebenfalls als Dokumentation des Weges dorthin dienen. Denn wenn ich mich, meine Vergangenheit und mein Wesen realistisch betrachte, dann weiß ich, dass es noch einiges zu reflektieren, zu überwinden und auch zu kämpfen geben wird.


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ani
Gast
ani

das ist ein wirklich sehr mutiger artikel geworden. hut ab! und aus ihm spricht soviel veränderung und auch abschied. ich schwanke noch so ein wenig ob die wehmut oder der optimismus überwiegt. aber ich glaube in erster linie ist es eine große befreiiung :) … die dunkle materie in herzform? die liebe zur dunkelheit? ich mag das bild. und im übrigen: kein kommentar kann die wahre seele dieses beitrags ausreichend würdigen ,)

Max
Gast
Max

saucool