Die vier Einsichten


Wir klammern uns an unsere Geschichten, da sie einen gewissen Nutzen haben, obwohl sie uns auch Leid verursachen. Für gewöhnlich liegt ihr größter Vorteil darin, dass unser Ego der Star sein darf, solange wir das Drama mitspielen.
Wir glauben, wir könnten eines Tages unsere schreckliche Kindheit oder unser katastrophales Liebesleben überwinden, wenn wir nur hart genug an uns arbeiten.
Aber wir denken nicht daran, die Opferrolle abzulegen, denn dann müssten wir auch das Bedürfnis des Egos aufgeben, bei der Geschichte Regie zu führen.

Unser Ego hat einen enorm starken Selbsterhaltungstrieb und tut so gut wie alles, um am Leben zu bleiben. Es wird den Wunsch nach Heilung bekämpfen und darauf bestehen, immer Recht zu haben.
Vielleicht hast du im Streit schon einmal Folgendes erlebt: Ein Teil von dir wollte die Waffen niederlegen und nach Kompromissen suchen, aber dein Ego beharrte darauf, dass du mehr wüsstest oder die bessere Meinung verträtest. Es verlangte von dir weiterzumachen, bis der andere besiegt war. Dein Ego machte dich glauben: Wenn du deine Geschichte aufgibst, wird man dich weder lieben noch schätzen, weder anerkennen noch überhaupt sehen – es könnte sogar sein, dass du dich in Luft auflöst.

Oft halten wir an unseren alten Geschichten fest, weil sie uns ein falsches Gefühl von Sicherheit und Sinn vermitteln.
Wer wären wir schon, wenn wir nicht mehr die weise Autoritätsperson, der kreative Rebell, die fürsorglichen Eltern wären?

In dem oben vorgestellten Buch (Die vier Einsichten) geht es – natürlich – auch um weit mehr als Lebenshilfe.
Ich habe nur eben zufällig durch das Buch geblättert und diese Seite aufgeschlagen und denke, es komprimiert einen Teilbereich unserer Probleme mit der Welt ziemlich gut.

Eigentlich geht es in dem Buch um die verschiedenen spirituellen Wahrnehmungsebenen und wie man sie einsetzen und trainieren kann:

Die Wahrnehmungsebene der Schlange (Körper und Instinkt)
Die Wahrnehmungsebene des Jaguars (Denken und Emotion)
Die Wahrnehmungsebene des Kolibris (Seele und Wahrnehmung)
Die Wahrnehmungsebene des Adlers (Spiritualität)

Außerdem werden – natürlich zugehörig dazu – die Chakren und das Energiefeld genauer betrachtet und als physiologisches Instrument begriffen. Im Hauptteil werden die vier Wege zu einen Pfad zu einer gewissen Art von Spiritualität, dem Erdenwächter, aufgezeigt:

– Der Weg des Helden
– Der Weg des leuchtenden Kriegers
– Der Weg des Sehers
– Der Weg des Weisen

Villoldo-Typisch ist natürlich wieder viel Ausschmückung und Psychologisierung an der ganzen Geschichte, dennoch finde ich, trifft er alles ziemlich gut.

Es ist nunmal auch erfrischend, wenn jemand, der selbst von den Laika gelernt hat, Aussagen wie “Es gibt keinen Geist” bringt, im selben Atemzug aber vom “großen Spirit” spricht und auch noch Ausschweife in die Neurophysiologie und Psychotherapie macht.

Jede Perspektive ist nunmal wichtig. Und wer sich seine eigene Meinung bilden kann und Villoldos Beschreibung nicht auf eine Anleitung zum Schamanen-Dasein beschränkt und damit argumentiert, dass er zu leichtfertig von Wundern und Manifestationen spricht, die kaum jemandem wirklich bewusst gelingen werden (Stichwort Verschiebung der Montagepunkte), wird diesen neumodischen Methodenmix auch anerkennen.

Zudem ist wieder einiges an praktischer Arbeit im Buch enthalten; konkrete Übungen und Rituale, z.B. zum Loslassen der Rollen, zum Verändern seiner eigenen Geschichte, zum Erkennen des Energiefeldes und zum Fühlen der Archetypen. Es gibt auch konkrete Anleitungen für Sandpaintings und Anleitungen zu einer Art Mesabildung in einem alchimistischen Kontext.

Und tatsächlich schließt sich der Kreis zu meinem Anfangszitat, indem auch klar gemacht wird, dass der Pfad des Erdenwächters eine gewissen Auflösung von Ego und Rollen verlangt:

>>Die Berge bin ich, die roten Felswände des Canyons bin ich, das Wasser bin ich, das Meer bin ich… Der Spirit bin ich…<<

Wenn du den Pfad des Erdenwächters in ehrlicher Absicht und offenem Herzens beschreitest, wirst du bald feststellen, dass du nicht alleine bist.


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