Mysterium Untersberg – Teil 1 20


Der Untersberg

Um kaum eine Region in Deutschland ranken sich so viele verschiedene Mythen, Sagen und Legenden wie das beim Untersberg der Fall ist. Über ihn liegt das deutsch-österreichische Grenzgebiet und durch ihn hindurch führt eine Vielzahl an Höhlensystemen, darunter die längste und tiefste Höhle Deutschlands: die Riesending-Schachthöhle.
Doch diese geographischen und geologischen Besonderheiten, von denen es noch einige mehr gibt, sind nicht alleine das, was den Berg so einzigartig macht – die Riesendinghöhle wurde erst 1996 entdeckt, doch schon sehr viel länger existieren die Geschichten und Sagen rund um den Berg, die sich mit allerlei Übersinnlichem beschäftigen und Mythen anderen Ursprungs mit dem Untersberg verknüpfen.

© Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0

Meine „Expedition“

Da ich seit einiger Zeit schon sehr fasziniert von diesen Geschichten bin (Der Entwurf für diesen Artikel existiert bestimmt schon seit einem Jahr) und ich irgendeinen Ruf von diesem Berg empfange, den ich noch nicht richtig zuordnen kann, plane ich aktuell eine kleine Expedition zum Untersberg. Um diese Expedition in einen Kontext zu setzen, möchte ich hier die interessantesten Mythen und Besonderheiten des Berges im Folgenden vorstellen.

Die Bergentrückung

Einige bekanntere Geschichten über den Untersberg sind verschiedene Bergentrückungs-Sagen, die sich wahlweise auf die verschiedensten alten Herrscher wie etwa Karl der Große und Kaiser Friedrich (Barbarossa) beziehen.

Bergentrückung bedeutet dabei, dass jemand vom Berg in eine andere Welt entrückt wird, dort in den Höhlen schläft oder versteinert auf den Zeitpunkt seines Erwachens wartet. Meistens handelt sich dabei um ein dramaturgisches Mittel um eine Art von Wiederkehr-Prophezeiung zu erzählen.
Barbarossa schläft z.B. dabei je nach Sage in mehreren Bergen. Eine der bekanntesten literarischen Bearbeitungen der ihn betreffenden Sage ist dabei das 1817 von Friedrich Rückert verfasste Gedicht „Der alte Barbarossa„, welches ziemlich gut die Aspekte der Bergentrückung, unabhängig vom genauen Berg, zeigt:

Der alte Barbarossa,
der Kaiser Friederich,
im unterird’schen Schlosse
hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
er lebt darin noch jetzt;
er hat im Schloss verborgen
zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
des Reiches Herrlichkeit
und wird einst wiederkommen
mit ihr, zu seiner Zeit.

Er nickt als wie im Traume
sein Aug halb offen zwinkt;
und je nach langem Raume
er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloss, o Zwerg
und sieh, ob noch die Raben
herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
noch fliegen immerdar,
so muss ich auch noch schlafen
verzaubert hundert Jahr.

Etwa die gleiche Geschichte existiert für den fränkischen König Karl der Große (747-814), die Wikipedia folgendermaßen zusammenfasst:

Kaiser Karl der Große [wartet] im Untersberg auf seine Auferstehung […]; alle hundert Jahre wacht er auf und wenn er sieht, dass immer noch die Raben um den Berg fliegen, dann schläft er ein weiteres Jahrhundert. So lange wird der Kaiser von den „Untersberger Mandln“ umsorgt. Bei ihnen handelt es sich um zwergenähnliche Gestalten, die dem Kaiser treu ergeben sind. […]
Wenn der Kaiser erwacht und den Untersberg verlässt […] findet die letzte große Schlacht der Menschheit auf dem Walserfeld statt.

Bergtagning und Feenland-Topos

Das Prinzip des Bergtagning ist ein erzählerisches Motiv, das ursprünglich aus dem skandinavischen Raum kommt und die Basis der Bergentrückung darstellt. Es beschreibt im weitesten Sinne das Herausnehmen einer Figur aus der wirklichen Welt. Es muss dabei nicht der Berg an sich sein, der jemanden zu sich nimmt. Es können auch die Feen, Trolle und andere Wesen sein, die eine Art von Entführung in ihr Reich durchführen. Im Fall der Feen handelt es sich um den keltischen Feenland-Topos (bei einem Topos handelt es sich in diesem Kontext um ein erzählerisches Motiv), der oft aber auch positive Folgen für die verschwundene Figur hat. Der Feenland-Topos wird am Untersberg mit der Bergentrückung verknüpft, indem es Geschichten dazu gibt, dass der schlafende Kaiser als Herr dieses Feen- oder Zwergenreichs betrachtet wird, und man beim Entdecken des Eingangs reich beschenkt wird, wie etwa in der Sage „Kaiser Karl im Untersberg“ beschrieben.

Die Wesen des Untersbergs

Ein weiterer Mythos ist die Wilde Jagd vom Untersberg, die wahrscheinlich ursprünglich auf den Untersberg als Wetterzeiger Bezug nimmt. Diese ist in das Perchtenbrauchtum der Rauhnächte eingegangen und wurde von mir in einem anderen Beitrag schon mal genauer betrachtet. Zu den typischen Gestalten der wilden Jagd gehören Vorpercht, der Tod, der Rabe, Moosweiberl, Baumpercht, Hahnengickerl, der Riese Abfalter, der Bär und der Bärentreiber, die Hexe, die Habergeiß und der Saurüssel. Sie alle werden als Wesen, die man am Untersberg treffen kann, genannt (Quelle). Zu jeder dieser Figuren gibt es eigene Sagen und Geschichten, die auserzählt den Rahmen dieser Aufstellung hier sprengen würden. Die meisten dieser Geschichten findet man auf Sagen.at.
Eine andere Auflistung von Wesen des Untersbergs, die sich nicht nur auf die Wesen der wilden Jagd bezieht, findet man in dieser Quelle. Sie nennt dabei zusätzlich noch die Raben des Kaisers, die Murmeltiere des Unterbergs, die drei Bethen (Wildfrauen) und einige mehr.
Auch allgemein bekannte Wesen aus esoterischen, spirituellen und naturreligiösen Weltbildern werden oft in einem Atemzug mit dem Untersberg genannt, wie etwa Devas der verschiedenen Elemente, Berggeister im schamanischen Sinn, Naturwesen wie Nixen, Nymphen, Feen, Kobolde, Riesen und Zwerge.
Die Quelle Untersberg.org veröffentlicht sogar eine Karte, die die Standorte der verschiedenen Wesen zeigt, auch wenn nicht ganz klar ist, woher diese Informationen kommen.
Hier muss man jedoch ganz ehrlich sagen: all diese Wesen, die teilweise auch Symbole darstellen, werden für jeden besonderen Ort genannt. Ich kann mir schon gut vorstellen, dass es aus einem noch unbekannten Grund (der vermutlich auch Ursprung der vielen verschiedenen Sagen und der folgenden Themen ist) eine energetische Besonderheit an diesem Berg gibt. Allerdings werden Wesenheiten oft falsch verstanden: die Anderswelt ist meiner Meinung nach nicht direkt gebunden an Orten in unserer Welt, auch wenn die Mythologien gerne mit einer ortsgebundenen Überlagerung der Welten spielen (Zugang in einer bestimmten Höhle, auf einem bestimmten Berg usw.). Ich sehe sie jedoch eher auf einer geistigen, spirituellen Ebene erreichbar. Zu sagen, an diesem und jenem Ort gibt es Kobolde und Feen, ist für mich nach wie vor eine esoterische Fehlinterpretation der eigenen Wahrnehmung, kombiniert mit einem massenpsychologischen Phänomen sowie erzählerischer Bestandteile. Viel eher ist der besondere Ort eine Art Katalysator für den eigenen Geist, sich in der der Form zu erweitern, um die Anderswelt erreichen zu können.

Johann Wilhelm Cordes: Die Wilde Jagd“ – Skizze zum Gemälde 1856/57

 

Zeitportale und Zeitanomalien

Kommen wir zu dem für mich interessanteste Thema rund um den Untersberg, obwohl es sich um den wohl „wissenschaftlichsten“ Aspekt handelt: Die Zeitanomalien. Mit wissenschaftlich meine ich dabei nicht, dass es dafür einen Beweis oder gar eine Erklärung gäbe – doch handelt es sich um etwas, vermutlich einen Aspekt der dortigen Energie, der wissenschaftlich wahrgenommen werden kann. Ich habe nicht das Gefühl, dass es der Kaiser selbst oder eines der Wesen oder Krafttiere dort ist, die mich zu dem Berg rufen. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass es die Zeitanomalie ist, aus welchem Grund auch immer.

Über den Untersberg ranken sich auch mehrere Zeitreise-Mythen, insbesondere von seltsamen Zeit-Anomalien. So wird berichtet, am Berg existierten Zeitlöcher, in denen die Zeit schneller oder langsamer als anderswo vergehe. Außerdem wird von Kontakten zu Zeitreisenden aus einer Spiegelwelt berichtet. (Quelle)

Zum Thema der Zeitanomalien lassen sich unter anderem folgende bekannte Geschichten finden:

  • Die verschwundene Hochzeitsgesellschaft: Eine alte Geschichte, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts als Sage aufgeschrieben wurde. In ihr blieb eine Hochzeitsgesellschaft, hereingebeten von einem Zwerg, in den Höhlen ein bis zwei Tage verweilten, und nach Verlassen der Höhlen feststellten, dass 500 Jahre vergangen waren.
  • 1977 machten Erich von Däniken und Walter Ernsting eine „Zeit-Expedition“ zum Untersberg, um die Zeitphänomene, von denen sie in alten Geschichten gehört hatten, zu erforschen. Dabei erfuhren Sie angeblich nicht nur die erwarteten Zeitphänomene, sondern teleportierten auch noch vom Höhlensystem des Untersbergs zu dem in Rio de Janeiro liegenden Berg Pedra da Gávea.
    Hierzu muss man sagen: Däniken hat schon ziemlich viel Quatsch erzählt, und hätte er wirklich in den Achtzigern an eigenem Leib Zeitanomalien und Teleportation erfahren, hätte man davon sehr viel mehr gehört.

 

  • Im August 1987 sollen drei Wanderer in den Höhlen verschwunden sein und wurden für tot erklärt. Monate später meldeten diese sich von einem Schiff im Roten Meer und behaupteten (laut dieser Quelle) niemals am Untersberg gewesen zu sein. In anderen Versionen der Geschichte gibt es diese klare Erklärung nicht, wie beispielsweise eine andere Quelle angibt:

    Später tauchten die Wanderer am roten Meer wieder auf und gaben an, sich auf dem Untersberg verlaufen zu haben und aus Angst vor Übertreten der Ostblock-Grenze diese abenteuerliche Odyssee auf sich genommen zu haben. (Quelle)

    Dass es sich bei dieser Geschichte nicht um eine vollumfänglich ausgedachte Geschichte handeln kann, zeigt folgender Zeitungsausschnitt:

    Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die drei Wanderer zufällig genau am 15.08. (siehe unten im Abschnitt „Mittagsscharte“) am Berg vermisst werden und dann in Wirklichkeit nie dagewesen sein sollen. Ob der Zeitungsbericht wirklich echt ist, habe ich allerdings nicht nachgeprüft. Wer da mehr weiß, oder echte Recherche dahingehend betreiben will, kann mir gern Bescheid geben.

Bestimmt gibt es noch weit mehr Geschichten über die Zeitanomalien, doch kaum andere sind so konkret wie diese drei.

Mögliche echte Erklärungen für eventuelle Zeitanomalien findet man selten. In diesem Vortrag auf Youtube wird am Ende zumindest ein wenig herumgesponnen und einiges erwähnt, was meiner Meinung nach in die richtige Richtung gehen kann: rein theoretisch gäbe es einige Möglichkeiten auf physikalischer Ebene Zeitphänomene zu erklären. Es könnte sich um eine bestimmte Art von Strahlung handeln, eine besondere Frequenz sein oder einfach eine Gravitationsanomalie im Berg verborgen sein. Erhöhte Gravitation (wie etwa in der Nähe eines schwarzen Lochs) würde nach Einsteins Relativitätstheorie die Zeit langsamer vergehen lassen.
Die Nicht-Pysikalische Erklärung wäre schlicht und ergreifend die Anderswelt: Das schamanische Weltbild geht davon aus, dass Zeit nicht existiert und alles gleichzeitig geschieht. Zeitreisen sind reine Bewusstseinsreisen, sind aber auch für Materie und Information auf quantenmechanischer Ebene durchaus möglich! Der Bewusstseinszustand während des Aufenthalts in der Anderswelt könnte durchaus Zeitanomalien auf die manifestierte Welt übertragen. Meistens ist das jedoch zu „verkopft“ gedacht.
Auf Theorien, die sich auf außerirdische Quantenkraftwerke im Berg oder versteckte Zeitmaschinen der Nazis beziehen, möchte ich hier nicht weiter eingehen, da ich diese für Unfug halte, referenziere sie aber in einem späteren Abschnitt noch einmal.

Schwarzes Loch

 

Stan Wolf: Steine der Macht

1991: Der Autor Wolfgang Stadler (Pseudonym: Stan Wolf) entdeckt zusammen mit seiner 16-jährigen Tochter die Zeitanomalie am Untersberg für sich und beginnt eine umfangreiche Romanreihe auf Basis der Mythologie des Berges zu schreiben. Seine Geschichte über die Zeitanomalie, die genau 1 Minute und 57 Sekunden dauerte, stellt er in allen Interviews und Vorträgen, die man mit ihm finden kann, als den Schlüsselmoment seiner Expeditionen dar, die schließlich noch viel mehr zu Tage förderten.
Wolfgang Stadler ist in der Szene der „Untersbergler“ sehr bekannt und die meisten Pilger, die sich dort umsehen, nehmen ihn und seine Geschichten zum Vorbild. Ich selbst halte von Stadler nichts. Trotzdem hat er sich als der „Experte“ des Untersbergs gemausert, weswegen ich ihm hier ein paar Worte widmen möchte:
Wolfgang Stadler vermischt in seinen Geschichten die alten Sagen mit eigener Fiktion und angeblich eigenen Erlebnissen. Diese Erlebnisse sind dabei jedoch teilweise so krude und von ihrer Art und Weise so sehr im typischen Verschwörungsbereich, dass ich da ganz klar zur Vorsicht vor zu viel Vertrauensseligkeit warnen möchte.
Wolfgang Stadler spricht davon die Zeitanomalien und auch Zeitreisen ins Mittelalter und in die Zukunft selbst erlebt zu haben. Er erzählt, dass er in den Höhlen des Bergs Zugänge zu alten Templer-Ruinen gefunden habe, dass er einen magischen schwarzen Stein (dazu später mehr), der mit dem Heiligen Gral verwandt sein soll, gefunden habe, dass er ein altes Artefakt (eine silberne, beschriebene Platte der Templer) dort gefunden habe, welches den lange unklar gewesenen Untersberg-Code gelöst habe, dass er alte Kanister mit Bauplänen der Nazis für unbekannte Technologien gefunden habe, und dass er aufgedeckt habe, dass sich der totgeglaubte Nazi-General Hans Kammler im Berg versteckt hält, mit dem Stadler seitdem regelmäßigen Kontakt hat.
Um es klar zu sagen: All dies sind Geschichten. Stadler ist ein Geschichtenerzähler und er vermarktet damit seine mittlerweile neunteilige Romanreihe „Steine der Macht“, in der er die alten Sagen prosaisch mit einer Geschichte der Gegenwart verknüpft (Die Romane kamen im Kopp-Verlag raus, weshalb ich hier keine Verlinkung dorthin anbieten kann). Dazu erfindet er Geschichten, die davon erzählen, wie er von Geheimdiensten und Geheimgesellschaften aufgrund seines Wissens in den Romanen verhört und beobachtet wird, weswegen er darauf bestehen muss, dass es sich um Romane handelt – hinter vorgehaltener Hand, aber schmunzelnd, davon spricht, dass der Kern der Geschichte die Wahrheit sei. Damit nimmt er eine beliebte Rolle in der Szene der Verschwörungstheoretiker ein: ein Wissender, der Tricks benutzt um sein Wissen unter die Menschen zu bringen. Ehrenhaft und schlau. Dieses Motiv ist dort weit verbreitet und ich möchte mich hier ausdrücklich davon distanzieren.
Diese Art ist für mich unwissenschaftlich, unauthentisch und viel zu passiv im Umgang mit den gewonnen Erkenntnissen; würde ich auf dem Unterberg Zeitanomalien feststellen und alte Templerartefakte finden, würde ich mich nicht damit begnügen eine Jugendroman-Reihe darüber zu schreiben. Und mal im Ernst: würde sich die böse Geheimgesellschaft, die NWO (Neue Weltordnung) oder wer auch immer verhindern will, dass dieses Wissen zu den Menschen gelangt, damit zufrieden geben, wenn Herr Stadler augenzwinkernd versichert, dass es sich nur um einen Roman handelt? Unwahrscheinlich.

Das Kreuz der Templer

Der Untersberg und seine Höhlen

Mehr als 400 Höhlen im Untersberg sind bisher bekannt (Quelle) und niemand weiß, wie viele noch verborgen liegen. Dies liegt unter anderem daran, dass der Untersberg aus Kalkstein besteht und durch Verkarstung leicht Höhlen entstehen konnten.

Die Reisending-Schachthöhle

Die schon am Anfang des Beitrags erwähnte Riesenschding-Schachthöhle stellt die längste und tiefste Höhle Deutschlands dar und wurde 1996 entdeckt. Sie erlangte zweifelhaften Ruhm, durch das von den Medien genannte Höhlen-Drama 2014, bei dem die Höhle auch als „Alptraum-Höhle“ bezeichnet wurde. Ein Forscher verunglückte in ihr bei einer Expedition und die Rettungsaktion dauerte einige Zeit.

Auf den Unfall möchte ich hier nicht weiter eingehen. An der obigen Infografik von Bild.de ist jedoch noch einiges interessant: So benannten die Forscher z.B. einen Teil der Höhle in beinahe 1000m Tiefe als „Barbarossas Thronsaal“, in dessen Nähe der Unfall stattfand. Der hintere Bereich bei Biwak 6 wird auf einigen Plänen auch als „Auenland“, hier aber als „Monsterschacht“ bezeichnet.

Die Riesending-Schachthöhle ist für den Hobby-Forscher, der sich ein Bild von den Zeitphänomenen und den Höhlen am Untersberg machen will, tabu. Es handelt sich um eine „ab dem ersten Meter technisch anspruchsvolle Schacht- und Wasserhöhle“ (Quelle), die man nur mit  professioneller Kletterausrüstung und der nötigen Erfahrung betreten kann. Auch wenn wir hier „Barabarossas Thronsaal“ bereits benannt haben, machen wir besser einen Bogen um dieses Riesending. Meistens sind die großen Geheimnisse sowieso nicht dort, wo sie ausgeschildert sind.

Die Geisterhöhle

Interessanter ist da eher die Geisterhöhle oder auch Froasenhöhle, bei der es sich eher um einen Stollen handelt. Viele Berichte sprechen von merkwürdigen Energien und Stimmungen in ihr. Ein echtes Geheimnis stellt sie jedoch auch nicht dar, wenn man die vielen Videos auf Youtube dazu betrachtet, die dort schon aufgenommen wurde. Trotzdem ist sie bestimmt einen Abstecher wert um den Berg und seine Energien kennenzulernen. Nach neuesten Informationen soll die Geisterhöhle mittlerweile geschlossen sein (Quelle).

Die Illuminatenhöhle

Die Illuminatenhöhle ist eine Ausbuchtung im Berg, an der angeblich damals die Illuminaten eine Gründungssitzung abgehalten haben sollen und seitdem den Berg als Teil ihres Initiationsritus genutzt haben sollen.  Manche Hobby-Expeditionen vermuten genau hier das große Geheimnis des Berges. Die Illuminatenhöhle stellt für mich genauso wie die Geisterhöhle eher ein touristisches Ziel dar, das aber bestimmt zur Vervollständigung des Untersbergs-Erlebnisses dienen kann.

(C) Señor Supersol2016

Das Nixloch

Das Nixloch finde ich von den vorgestellten Höhlen persönlich am interessantesten:

Altersgrau und sagumwoben
Blickt der Turm ins Land, ins traut‘,
Stolz und trutzig wie die Römer,
Die vor Zeiten ihn erbaut.
Irrblöck rings und finst’re Tannen,
Römerschanz und Burgruin,
Unter Farn das dust’re Nixloch
Mit dem neck’schen Kobold drin.
Und der Untersberg, der Riese,
Hallet weit das Echo nach.
Still! Du rufst im Felsenschloß
Sonst die Schar der Geister wach.

(Quelle)

Das Nixloch ist dabei genau die Höhle, die angeblich von Däniken für seine „Zeitreise-Expedition“ ausgesucht wurde. Das Reichenhaller Tagblatt vom 27.08.2987 setzt diese Höhle mit Däniken und den verschwundenen Wanderern in Verbindung:

Quelle: Reichenhaller Tagblatt 27.08.1987

Das Nixloch könnte also durchaus ein guter Anlaufpunkt für die Zeitphänomene sein. Die Höhle besteht aus einem angeblich sehr ausgedehnten und engen Gängesystem (Quelle), das nah unter der Oberfläche verläuft und nur einen sehr kleinen Einstieg hat. Dass ein Zugang möglich ist, zeigen Videos des Alpenchamanen Rainer Limpöck. Die Höhle befindet sich nahe der alten Festung Hallthurm und alte Schriften von 1901 sagen über die Gänge, dass sie von den Untersberger Manndl’n gebraben wurden und unter den Mauern hindurch führen.

Ein alter Plan eines unbekannten Höhlenforschers zeichnet das Nixloch folgendermaßen:

Die Vorsilbe „Nix“ bezieht sich dabei wahlweise auf das Naturwesen Nixe oder auf den Begriff „Nix“ für eine besondere Art von Milch, die an den Höhlenwänden entsteht:

An den Höhlenwänden findet sich viel Montmilch oder auch „Nix“ genannt. Daher der Höhlenname. Er wurde früher ja in der Volksmedizin verwendet und sollte bei Hautkrankheiten und Augenleiden Gutes bewirken. (Quelle)

Weitere Höhlen

Weitere bekannte Höhlen sind die Grasslhöhle, die in der Szene als Kraftplatz und für ihre Orbs (Auch Geisterflecken genannt) bekannt ist, die ich jedoch als übermäßig esoterisch aufgebauscht empfinde (Ebenso wie die Orbs selbst), und die  Schellenberger Eishöhle. Diese ist bestimmt beeindruckend, da sie sich in einer Kälteblase befindet, in die niemals warme Luft kommt, wodurch sie komplett vereist ist und niemals schmilzt (sich jedoch verändert). Die Höhle ist jedoch mit Infrastruktur (Treppen, Geländer, Absicherungen, Karbidlampen usw.) versehen und es werden Führungen angeboten, wodurch sie für diese Abhandlung eigentlich zu touristisch ist.

Über die restlichen der über 400 bekannten Höhlen des Untersbergs gibt es sehr viel weniger Geschichten. Eine Ausnahme ist der Steinerne Kaser, den ich im nächsten Abschnitt genauer betrachten will). Ich denke also, es gibt noch genug auf eigene Faust zu erkunden und in Kontext zu setzen.

Die Mittagsscharte

Bei der Mittagsscharte handelt es sich um einen deutlich sichtbaren Einschnitt des Kamms des Berges (Auf diesem Bild gut sichtbar). Genau an dieser Stelle an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland soll sich zu Mariä Himmelfahrt ein Zeitportal öffnen:

Die Sage um die Mittagsscharte – also da, wo genau die Grenze zwischen Bayern und dem Salzburger Land verläuft – weist auf ein Zeit(Höhlen-)portal hin, was sich dort, alle paar Jahre zu Maria Himmelfahrt (15. August) öffnen soll.
Tatsächlich existiert mitten in der Mittagsscharte eine Höhle namens “Steinerner Kaser”, in der sich um 14 Uhr am 15. August und am 21. Juni ein Lichtphänomen beobachten lässt. (Quelle)

Tatsächlich ist es beim Feenland-Topos und ähnlichen narrativen Motiven öfter so, dass die beschriebene Anderswelt nicht nur an bestimmten Orten sondern auch nur zu bestimmten Zeiten betretbar ist.

Im Einstieg zum sehr schwierigen Stuhlwandgrat an der Südseite des Untersbergs, nahe der Mittagsscharte, gibt es ein “Goldloch”; im bayerischen Schellenberg wird es auch “Stierloch” genannt. Zu dieser schwer zugänglichen Höhle führen teilweise uralte, offenbar von Menschenhand herausgemeißelte Felsstufen. (Quelle: Das Salzburger Sagenbuch – Josef Brettenthaler, Matthias Laireiter – Verlag der Salzburger Druckerei, 1976, S. 73)

Diese Beschreibungen klingen für mich sehr spannend und weniger touristisch, weshalb es sich bestimmt lohnt dieses Datum und diesen Ort bei einer Expedition anzusteuern, obwohl es unrealistisch ist, an einer Stelle, die als „sehr schwierig“ bezeichnet wird, besonders weit zu kommen. Es ist aber auch möglich, dass man gerade hier zu dieser Zeit eines Besseren belehrt wird und sich dort zu Mariä Himmelfahrt eine nicht unerhebliche Anzahl an Esoterikern zusammenfindet, die gemeinsam das Lichtphänomen erleben wollen.


Da das Thema ziemlich umfangreich ist und damit der Beitrag nicht zu lang wird, folgt die Fortsetzung in einem zweiten Teil. In diesem wird es um etwas fantastischere Themen wie Zusammenhänge des Berges mit den Templern und der Rechtsesoterik gehen. Außerdem schaue ich mir die Aspekte des Schamanismus zu diesem Thema an und skizziere den Plan meiner Expedition etwas genauer.


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