Let’s Urbex – Die erste Location 4


Lets Urbex Thumb

In jenem Beitrag habe ich ja einführend schon über „Urban Exploration“ und „Lost Places“ geschrieben. Jetzt ist es soweit, und das erste richtige Video der dort vorgestellten Reihe „Let’s Urbex“ ist online.

Die erste Location führt uns in einen bayrischen Kurort. Ich war dort primär zum Fasten und Entspannen (wobei ich den Altersschnitt des Ortes um sicher 20 jahre senkte ;). Es ergibt sich aber so gut wie immer, dass ich beim Spazierengehen durch die Städte und Dörfer auch Orte finde, die der Beschreibung eines Lost Place aus meinem letzten Beitrag entsprechen.

LPBB Gesamtansicht

Einer davon war dieser alte Bauernhof, der sich direkt an der in den Ort hineinführenden Straße und einer Bushaltestelle befand. Auf dem Bild oben sieht man seine Unscheinbarkeit sehr deutlich. Die ganze Location besteht aus mehreren Ställen, einer großen Abstellhalle (vermutlich für landwirtschaftliche Geräte), einer Scheune und zwei Wohnhäusern, wovon eines in drei Stockwerken begehbar war.

LPBB Glühbirne

Erwähnen möchte ich, dass es sich um meinen ersten Versuch handelt beim Entdecken jemanden virtuell mitzunehmen und mir beim Schneiden sehr deutlich bewusst wurde, dass weder ich noch das Format wirklich wissen, zu was es sich formen wird. Mir selbst fehlt noch ein wenig der dramaturgische Kniff und in vielen Situationen wäre ich mit der Entdeckung heute in Anbetracht der Intention anders umgegangen. Es macht eben doch einen Unterschied, ob man solch einen Ort für sich selbst (und noch dazu alleine) entdeckt, oder ob man die Kamera draufhält und immer im Hinterkopf hat, die Perspektive des Zuschauers zu betrachten, während man versucht das ganze interessant genug zu kommentieren – für einen Zuschauer kann das Erlebnis niemals genauso spannend sein, wie selbst durch diese Räumlichkeiten zu streifen. Es sei denn man verändert die Intention des Erlebnisses.

LPBB Fenster

Gerne könnt ihr mir Kritik und Meinungen da lassen – ich muss aber ehrlicherweise gleich sagen, dass Resonanz im Stil von

Du musst mehr Witze machen und die Videos kürzen!

Leg doch mal etwas Musik drunter, damit es nicht so trocken ist und schneide viel mehr zusammen!

nicht sonderlich zielführend sein werden, da ich dabei davon ausgehe, nicht meine „Zielgruppe“ (wenn ich soetwas denn haben sollte) erreicht zu haben.

Ich will so wenig wie möglich schneiden, so viel wie möglich kommentieren und so viel Dynamik wie möglich bei so viel Dramatik wie möglich aufkommen lassen, ohne zu manipulieren, indem ich z.B. eine bereits besuchte Location erneut besuche und dramaturgische Begehungen plane und überlege, was ich dazu erzählen will, vor Ort Effekte manipuliere (wie z.B. indem ich selbst Gegenstände drapiere oder sie verändere (in diesem Fall könnten das z.B. die Kerze, die Seife oder die Benachrichtigungskarte sein), Jump Scares provoziere oder etwas vorspiele etc.) oder Musik darüberlege (wobei ich mir vorstellen kann, dass sich hierfür bestimmte Sequenzen gut eignen (siehe Teaser); das möchte ich also nicht kategorisch ablehnen).

LPBB Kerze

In der Urbex-Szene sieht man eigentlich lieber Videos, die sich auf die Ästhetik der Objekte stützen; Also Zusammenschnitte schöner Bilder oder unkommentierter Kamerafahrten. Das ist der Aspekt der „Urbex-Fotographie“ im Vordergrund, meiner Meinung nach aber nicht der des Erlebnisses der Erkundung und Entdeckung (Wenn ich mit dieser Aussage der Szene Unrecht tue oder etwas falsch verstanden habe, lasse ich mich allerdings gerne eines Besseren belehren).

Hierdurch erklärt sich auch meine Wahl des Namens: „Let’s Urbex“. Ich versuche damit auf das auf Youtube verbreitete Format „Let’s Play“ zu referenzieren, bei dem man als Zuschauer dem Youtuber beim Spielen eines Computerspiels zusieht. In den älteren Generationen ist dieses Konzept meist unverständlich und wird kategorisch abgelehnt, was meiner Meinung nach lediglich prinzipgetriebene Verbohrtheit und die Unfähigkeit über den Tellerrand zu blicken geschuldet ist. Die Referenz ergibt deswegen aber Sinn, weil auch hier etwas als „virtuelles Erlebnis“ rezipiert wird, was eigentlich von der Unmittelbarkeit des „echten Erlebnisses“ lebt. Durch die Virtualisierung ergeben sich jedoch neue Möglichkeiten, Vorteile, auch Nachteile, aber grob gesagt eben eine Erweiterung der Rezeption, wie das bereits bei zig anderen Bereichen im Laufe der Zeit der Fall war (Theater, Musik, Film, Sportveranstaltungen usw. Es ist mir schlicht schleierhaft, wieso das beim Thema „Let’s Play“ nicht begriffen wird, ohne zu verstehen, dass man hier nur einer Reflex-Blockade erleigt; vielleicht schreibe ich dazu mal einen eigenen Artikel).

Aber bevor ich hier das Thema verfehle und zu sehr ausschweife: Hier das Video: Direktlink zum Let’s-Urbex-Video auf Youtube.

Ein letztes Wort möchte ich noch zum Ehrenkodex des Urban Exploration verlieren:

Ich nehme nur Fotos und hinterlasse nur Fußspuren

Dieser Grundsatz wird von den meisten Urbexern anerkannt und ist womöglich auch Grund für die starke Pragmatik „Urbex = Fotografie“.
Zusätzlich ist es so, dass man die Standorte der Objekte nicht öffentlich macht, was den Effekt des oberen Grundsatzes unterstützen soll: Wenn niemand weiß, wo das Objekt steht, wird es vermutlich auch niemand finden, der nur die Kerze klauen will. Aus diesem Grund wird der Name des Ortes hier von mir nicht genannt und im Video (weitestgehend) zensiert, auch wenn es trotzdem für den aufmerksamen Betrachter Möglichkeiten gibt, herauszufinden, wo ich war (Und auch das gehört zum Urban Exploration: die Möglichkeit über Recherche das Objekt finden zu können).

Weil ich weiß, dass diese langen Blogeinträge mit Erklärungen vermutlich von kaum jemandem wirklich gelesen werden, gibt es zur besseren Erklärung des Videos und Vorstellung des Formats noch einen kleinen V-Log: Direktlink zum V-Log auf Youtube.


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Ich habe das ja schon

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4 Kommentare auf "Let’s Urbex – Die erste Location"

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Max
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Den artikel fand ich spannend, und auch das Hobby klingt toll. Das Video hab ich aber nach 10m abgebrochen. Mir wurde da schlecht von der Kamera-Führung, ich bin da aber auch empfindlich. Kann nicht sagen ob das mit anderem Equipment anders wäre.

Alex
Gast

Das mit dem Equipment könnte ich mir schon vorstellen – die Kamera wackelt schon ziemlich, einfach weil ich sie halt in der Hand habe; aber zum Glück geht es nicht jedem so (mir z.B. überhaupt nicht, ich stehe auch total auf die verwackelsten Found-Footage-Filme) und eigentlich dachte ich auch, dass das halt zum authentischen Erlebnis dazugehört. War vielleicht etwas naiv von mir.
Meinst du es wäre „hilfreich“, wenn die Folgen kürzer wären? Vielleicht kann man dann mit der Übelkeit besser haushalten? ^^

Max
Gast

Hm, ich weiß auch nicht. Könnte man sicher ausprobieren. Würde mir ein kürzeres Video schon nochmal anschauen. Aber auch bei viele Ego-perspektiv Spielen geht mir das so. Also schon ein bekanntes Problem bei mir.

Alex
Gast

Die nächste Location wird es in kürzeren Parts geben und den übernächsten mit Action-Cam-Perspektive aus Brusthöhe oder so ;) Es muss ja ne Steigerung geben :P