Fastentagebuch 2016 – Teil 1: Große Erwartungen 8


Mein erstes Fasten 2016 begann am 1. Mai mit einer, wegen Ausfällen und Verspätungen, etwa achtstündigen Zugfahrt.
In dem kleinen Ort Holzhau im Erzgebirge angekommen, ging es erst mal auf einer Strecke von zwei Kilometern etwa 150 Höhenmeter bergauf, was mit dem Gepäck nicht gerade unanstrengend war, zu einem schnuckeligen, alten Bauernhaus aus dem achtzehnten Jahrhundert, das ich für die nächsten knapp drei Wochen größtenteils für mich haben sollte. Ein paar der bevorstehenden Feiertage wollten die Vermieter in dieser Zeit zwar auch hier verbringen, aber natürlich sollte ich eine getrennte Ferienwohnung im Untergeschoss mit eigenem Eingang für mich haben.
Aber das war sowieso unwichtig, angesichts der Lage: das Haus befand sich in Alleinlage, von der Straße hangabwärts nur durch einen Kiesweg erreichbar, zwischen weiten Wiesen und direkt am Rand des Waldes, der Hangaufwärts verlief.
Ich schmunzelte in mich hinein, denn als ich die Karte der Umgebung in der Zeit vor dem Urlaub studiert hatte (Mehr als einmal – ich schaue mir die Umgebung eines Zielorts gern vorher genauer an, um festzustellen, ob sich auf den Satellitenaufnahmen bereits interessante Orte zeigen; damit meine ich Seen, Tümpel, Lichtungen, Felsformationen, Ruinen etc.), war mir dieses abseits gelegene Haus bereits positiv aufgefallen, ich hatte die Adresse meiner Unterkunft jedoch an der Straße verortet.

Ich kam erst mal an, packte aus und erkundete dann das Haus und die nähere Umgebung. Bereits auf den ersten Blick sah ich so viele Stellen, die zum Verweilen einluden, dass ich die nächsten Tage kaum erwarten konnte und für sonniges Wetter betete.

Haus

Wie es sich für gutes, entgiftendes Fasten gehörte, brühte ich mir zum Ankommen erst einmal einen Brennnesseltee auf. Brennnesseln stellen für mich das A und O der Fastenunterstützung dar; sie helfen dem Körper bei der Entgiftung, indem sie entwässernd wirken und die Nieren unterstützen. Ansonsten hatte ich mir keinen Tee mitgenommen, denn ich hatte den Plan, mir weitere Hilfsmittel vor Ort in der Natur zu holen.
Bei den ersten Rundgängen fiel mir allerdings auf, dass der Frühling hier noch nicht so recht angekommen war. In München war das anders gewesen; dort blühte schon alles, der Löwenzahn, die Brennnesseln und der Bärlauch waren schon nicht mehr jung und alles war grün. Hier war alles gerade erst dabei zu knospeln, der Löwenzahn blühte noch nicht und die Brennnesseln streckten gerade erst ihre ersten zarten, jungen Blätter aus der Erde.
Umso besser, dachte ich mir. So konnte ich das Frühlingserwachen in einem Jahr zum zweiten Mal erleben, immerhin war ich ja lang genug hier.
Ich sah aber viel Potential für unterstützende Tees und anderweitig interessante Kräuter: Die Wiesen waren übersäht von den ersten jungen Blättern von Giersch und Bärwurz, Löwenzahn und Gänseblümchen. Außerdem entdeckte ich Sauerampfer, Heidelbeer- und Himbeersträucher und auch einen, leider noch kahlen, Holunderstrauch. Kräuterbeete hinter dem Haus versprachen unter anderem Salbei, Thymian und Pfefferminze. Ansonsten sah man überall noch Frauenmantel und Spitzwegerich aus dem Gras schimmern.

Dieser Fastenurlaub war für mich aus mehreren Gründen besonders. Irgendwie hatte ich die letzten vier Monate nur auf diesen Moment gewartet. Die Unzufriedenheit mit meiner gesundheitlichen Lage im Allgemeinen, meine aktuell nicht vorhandene Sportlichkeit (Ich war so unfit wie schon lange nicht mehr) sowie die allgemeine Unzufriedenheit über meine Lebenssituation, hatten große Erwartungen in diesen Urlaub gesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass mich der Büro-Alltag viel zu sehr von dem zurückhält, was ich eigentlich bin, dass er meine Liebe zur Natur, meine Spiritualität und mein Künstlerdasein tötet.
Das darf man jetzt nicht falsch verstehen: ich mag meinen Job schon und ich mag auch die Leute dort und bin durchaus dankbar für die Rahmenbedingungen. Ich mag die Technik und ich arbeite gern mit den großen Firmen, die unsere Geschäftspartner sind, in der Form zusammen. Doch es erfüllt mich nicht. Und das war eigentlich immer eine Anforderung, die ich an alles hatte, was mir im Leben begegnete. Ich weiß, dass sich die meisten Menschen damit abgefunden hatten, ihre Erfüllung nicht leben zu können und sich das in ihren Köpfen immer mehr als die Normalität der Welt etablierte. Gehirnwäsche. Aber musste ich mich deswegen auch damit abfinden?
Oft höre ich, dass es sich dabei um meckern auf hohem Niveau handeln würde (auch von meiner inneren Stimme), denn an der Oberfläche lebte ich ein angenehmes Leben. Es ist erstaunlich, dass die Menschen immer noch nicht begriffen haben, dass der Schein nichts mit den wahren Gefühlen im Kern zu tun haben muss, dass es IMMER nur darum geht, was in unserem Herzen ist und nicht was an der Oberfläche glitzert, welcher Sirenengesang von unserem Bankkonto ertönt oder von unserem makellosen Gesicht und Körper erzählt.
Ich weiß aber natürlich auch, dass hier, in meinem Fall, noch ganz andere Mechanismen mitspielen, denn ich habe schon das Glück, nur vier Tage die Woche zu arbeiten, nicht auf Überstunden angewiesen zu sein und die Arbeit praktisch direkt vor meiner Haustür zu haben. Ich hätte eigentlich die Zeit, meine Leidenschaften und meine Spiritualität nebenher auszuleben und mir etwas Eigenes aufzubauen.
Doch ich fühle mich antriebslos, kraftlos, energielos und all das kompensiere ich mit Konsum, Essen, Krankheit und negativen Gefühlen. Auch deswegen setzte ich große Hoffnung in diese Auszeit. Denn den Charakter eines Neustarts, eines Neusortierens der Energien und Gefühle in seinem Herzen – das halte ich für die große Stärke des Fastens. Es kann ein bisschen wie eine Visionssuche sein. Ich wollte die Themen sehen, bearbeiten und transformieren, die mich davon abhalten mein Leben zu leben und mich stattdessen nur dahinvegetieren lassen, am Montag schon das Wochenende herbeisehnend, am Abend nur noch erschöpft ins Bett fallend und trotzdem nicht ohne Hilfsmittel einschlafen könnend, weil der Kopf zu voll ist.
Wo waren die Spirits, wo war Intitaita, Vater Sonne, wo war Pachama, Mutter Erde, wo war mein Herzschlag, wo war all das, was die Welt zu diesem unbändig kraftvollen und wundervollen, liebenswerten und inspirierenden Ort machte?

Ich beschloss also aus dieser Fastenerfahrung etwas Besonderes, Einschneidendes zu machen und sie auf dem Wunsch nach Veränderung aufzubauen.
Das mag für jemanden, der nur seinem Kopf folgt, schwer verständlich sein, doch ich glaube daran, dass die Welt mit uns spricht, immerzu. Wenn wir beschäftigt sind, hören wir nicht hin. Wenn wir uns im Job aufreiben und wenn wir aus Frust oder Kompensation Serien schauen oder essen, zocken oder irgendeine Form des Eskapismus ausüben, dann hören wir nicht hin. Sich mit der Natur in vollkommener Klarheit zu verbinden, ändert nicht nur etwas in uns. Es ändert auch alles um uns herum, denn wir stehen immerzu in Wechselwirkung mit der Welt. Manch einer mag es Wunder nennen, ich würde es eher als eine Art zurückfinden zur Energie unseres Ursprungs nennen, die mehr verändern kann, als man für möglich halten mag. Die Menschen denken meistens, dass Erfahrungen nur in uns selbst wirken, nur in uns alleine. In unserem Kopf oder in unserem Herzen, uns nur dort verändern können, und dadurch Einfluss auf das Außen haben. Ganz klassisch psychologisch. Aber ich denke, Erfahrung verändert etwas auf einer höheren, spirituellen Ebene.
Zu erfahren, es wirklich zu fühlen, zu wissen, zu lieben, mit allem verbunden zu sein, bedeutet mehr als eine Endorphin-Ausschüttung im Gehirn und eine Aufhellung der Stimmung und Gefühle. Es bedeutet, auch das Drumherum fühlt sich mit dir verbunden und gibt dir die gleiche Liebe zurück, die du empfindest.

Zur Erhöhung des Effekts, den eine echte Visionssuche auf den Geist hat, entschloss ich mich, mich neben dem Fasten auch gleich noch anderen Dingen, insbesondere Reizen und Abhängigkeiten zu entziehen.
Dazu gehörten z.B. all die modernen Medien in ihrem Überkonsum, Serien, Facebook, Twitter, Youtube. Ich ertappte mich einfach viel zu oft dabei in einem bestimmten Moment aus Gewohnheit irgendwo durchzuscrollen oder eine Serie anzumachen. Ich hatte zwar das Fernsehen längst schon aus meinem Leben verbannt, doch wo war hier der Unterschied? Zum Essen, so hatte ich das Gefühl, ist es notwendig, dass etwas nebenher läuft. Zum Einschlafen eine Folge einer Serie, die ich schon zig Mal gesehen hatte, beim morgendlichen Kaffee erst mal schauen, was es bei Youtube neues gibt. Und zwischendrin eine neue Serie innerhalb von einer Woche mit allen fünf Staffeln komplett durchschauen. Zu großem Teil nur Ablenkung.
Erinnere dich an die Schönheit und Vielfalt der Welt außerhalb dieser Medien, dachte ich mir immer. Ist es ein Wunder, dass du Energie- und Antriebslos bist, wenn du dich nur betäubst?
Nicht falsch verstehen, Serien und moderne Medien sind interessant und wenn ich diese Beschäftigung mit der Popkultur und der Dramaturgie und Narratologie in all ihren Erscheinungsformen nicht leben und lieben wollen würde, hätte ich meinen neuen Blog dazu gar nicht ins Leben gerufen. Auch will ich niemandem auf die Füße treten, der sich zum Abendessen vom Fernsehen berieseln lassen muss – ich habe eben einen anderen Anspruch an mich selbst.
Aber irgendwo war bei mir eine Grenze überschritten, zwischen Konsum des puren Konsums willen und Spaß an der Freude.
Dazu kam noch, dass ich festgestellt hatte, dass vor allem visuelle Reize im Übermaß in mir Unruhe und ein allgemein belastendes Gefühl auslösten und meinen Schlaf störten. Ganz und gar nicht auch nur ansatzweise in diese Problemkategorie fielen z.B. Bücher und Musik.

Der nächste Aspekt, den ich angehen wollte, war nicht nur die symbolische Betäubung mit dieser Form des Überkonsums, sondern die echte Betäubung; nein keine Sorge, es kommt jetzt keine Alkohol- oder Drogenbeichte.
Doch ich gewöhnte mir an, zum Einschlafen ein Schlafmittel zu nehmen, das eigentlich für den Kurzzeitgebrauch gedacht war. Doch mir nichts dir nichts waren die Monate ins Land gezogen und ich nahm es immer früher, wenn ich einfach vom Tag erschöpft, enttäuscht oder gelangweilt war. Und mit dem panischen Gedanken im Hinterkopf, was mein Körper und meine Krankheiten mir antun würden, wenn ich nicht genug schlafen würde.

Ich stand auf der Steintreppe hinter dem Haus, die einen freien Blick auf die Hügel und den Wald im Tal gab und die Sonne ging gerade unter, während ich mir selbst noch einmal versicherte, dass ich mich all dem (Und noch ein bisschen mehr) für diesen Zeitraum des Fastens entziehen wollte.
Ich wusste aber natürlich auch, dass ein kleiner Fastenurlaub nicht das komplette Leben umkrempeln würde. Und schon in diesem Moment hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass es in meiner Vorstellung niemals genug Zeit dafür sein würde. Ich wollte den Einschnitt – doch ich musste mir auch eingestehen, dass mir die Welt irgendwie mitteilen würde, dass ich zu viel wollte. Ich würde ihr auf jeden Fall zuhören, was immer sie mir für Botschaften geben wollte.

Ausblick_Steintreppe

Falls ihr euch fragt, wie ich in meiner Erzählung so ehrlich und persönlich sein kann:
Zum einen gibt es keinen Grund für mich, es nicht zu sein. Zum anderen weiß ich so oder so genau, dass ich das hier kaum jemandem erzähle, den ich kenne, auch wenn die Veröffentlichung öffentlich auf Facebook geschehen wird; die Leute haben (Heutzutage? Ich bin mir nicht sicher, ob sie die jemals hatten) weder die Zeit so lange Texte im Internet zu lesen, noch haben sie ein Interesse daran (Oder die Energie?) in dieser Art und Weise in das Innenleben eines anderen Menschen oder auch nur in ein etwas weiter entferntes Thema wie etwa Fasten oder Spiritualität einzutauchen, auch wenn jeder immerzu das Gegenteil von sich behauptet und dem Rest der Welt mit Aphorismen zu bescheinigen versucht, wie tiefgründig der eigene Geist doch ist.

Als ich am zweiten Tag unter einer strahlenden Sonne barfuß durch das Moos und über die Wiesen lief und Löwenzahnblätter für meinen ersten Löwenzahntee (Löwenzahn wirkt blutreinigend, unterstützt Leber und Galle und stimuliert die Fettverbrennung) sammelte, fühlte ich genau diese Verbundenheit, von der ich vorhin sprach, wieder.
Barfuß laufen ist für mich etwas, was eine starke Verbindung zu Pachamama symbolisiert. Nicht nur symbolisch, die Verbindung ist wirklich da.
Dass wir Schuhe anziehen ist ziemlich verständlich, doch es gibt genug Situationen, vor allem im Sommer, die es einem erlauben barfuß zu laufen, sogar in einer Großstadt wie München. Ich kann den Aufschrei schon hören: Dreck und Scherben, pfui! Und gefährlich ist das!
Ist es nicht. Wenn man darauf achtet wo man hinläuft, kann man problemlos barfuß einmal quer durch die Stadt laufen. Aber die Verbindung zur Erde bekommt man natürlich sowieso eher im Wald.
Lauft doch mal barfuß durch den Wald oder über eine Wiese, einfach so. Wann habt ihr diese Erfahrung das letzte Mal gemacht, wenn es nicht gerade an einem See war? Ich wette bei den meisten Menschen liegt diese Erfahrung, wenn es sie denn überhaupt jemals gab, Jahrzehnte zurück.

Mein Zucker stieg etwas zäh ins Fasten ein und blieb etwa zwei Tage auf einem höheren Niveau (120 mg/dl bis 150 mg/dl). Danach allerdings fiel er kontinuierlich und am dritten Tag begann ich meine Basalrate anzupassen. Ich begann mit einer Basalrate bei 20 Einheiten/Tag und erreichte am sechsten Tag bereits die Rekordgrenze von 13 Einheiten/Tag, die ich bisher nur einmal in meinem Leben knapp erreicht hatte: beim Fasten im Januar 2014 mit 13,1 Einheiten/Tag nach elf Tagen.
Gleichzeitig fühlte ich mich die gesamte erste Woche wunderbar. Körperlich fehlte mir gar nichts, keine Fastenkrise, keine Schwächeanfälle, keine Kreislaufprobleme, keine Kopfschmerzen, keine Probleme mit einer gefühlten Ketoazidose.
Mein Blutzucker pendelte sich auf dem Minimum der Basalrate auf 90 mg/dl bis 110 mg/dl ein und blieb konstant in diesem Bereich, auch wenn ich zwischendurch mal ein Glas Tomatensaft trank oder einen Spaziergang im Wald machte.
Am Abend des dritten Tages hatte ich einen Energieschub und rannte den Waldweg entlang; nicht lange und ja, es war sehr anstrengend, aber unheimlich befreiend.

Dass mir der Körper bis dahin so wenige Probleme machte, führte ich auf einige Optimierungen des Drumherums zurück, die ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre dieses Mal ausprobieren wollte.
Zum einen behielt ich die für mich herausgefundene Handhabung der Salzaufnahme bei (Eine genauere Erläuterung zu diesem Thema gibt es in Fastenhistorie für 2013), zum anderen arbeitete ich mit einigen Neuerung, um meinen Körper bei der Entgiftung zu unterstützen und einem akuten Proteinmangel entgegenzuwirken:
Ich versorgte mich mit einer Mindestdosis an essentiellen Aminosäuren (BCAA – Aminosäuren, die der menschliche Körper unbedingt von außerhalb benötigt, um Proteine herzustellen) sowie Arginin (zur Unterstützung der Stickstoffbilanz) in Pulverform, rührte mir hin und wieder einen Löffel Kieselerde, Zeolith oder Chlorella-Algen-Pulver (Entgiftung sowie Hilfe beim Abtransport von Giftstoffen über den Darm) ins Wasser und genehmigte mir ab und zu auch etwas MSM (Hilfe bei der Entgiftung und gut für den Schwefelhaushalt).
Außerdem achtete ich peinlich genau darauf den Zucker nicht über eine Marke von etwa 130 gehen zu lassen, auch wenn dieser Wert eigentlich noch gesund ist, da er trotz allem in diesem Zustand auf einen absoluten Insulinmangel hinweisen kann.
Zusätzlich behielt ich natürlich, wie immer schon, die Ketone mit Teststreifen im Auge, erweiterte diese Teststreifen aber diesmal um einige Parameter. Sollten die Ketone zu sehr steigen und eine Übersäuerung provozieren, gab es einen Schluck Saft und/oder eine Einheit Insulin.

Soviel zur Medizin – der vielleicht uninteressanteste Aspekt an einer Visionssuche, möchte man meinen. Doch es ist mir wichtig zu transportieren, dass ich einen Plan habe und nicht leichtfertig mit meiner Krankheit, in dieser ihr ungewohnten Situation, umgehe.
Auch hier hat sich innerhalb der letzten Jahre etwas in mir verändert und das ist mit Sicherheit genauso wichtig für ein Wohlbefinden beim Fasten, wie die rein rationalen Aspekte:
Ich sehe meine Krankheit, den Diabetes, viel weniger als Feind, den ich mit dem Fasten zu bekämpfen versuche. Ich will, dass es ihm besser geht, dass er weniger Stress hat, dass er seine Hysterie mal beiseitelegen kann. Ja, man könnte sagen, ich möchte meiner Krankheit helfen. Nicht auszurasten. Sie hat genauso etwas davon, wenn ich Fettpolster abbaue, fitter werde, emotional stabiler werde etc. wie ich selbst.
Wir kämpfen immerzu gegen unsere Krankheiten und damit gegen unseren eigenen Körper, weil wir beides gern getrennt voneinander betrachten wollen. Doch die Krankheit ist Teil von uns. Unsere Dämonen sind Teil von uns und sie manifestieren sich in unserer Krankheit. Ein Kampf gegen sie ist immer auch ein Kampf gegen uns selbst. Das Prinzip der Autoimmunkrankheit, an der ich mit dem Diabetes ja leide, spiegelt diese Aussage auf einer Meta-Ebene eins zu eins wider. Mein Dämon ist, mich selbst bekämpfen zu müssen, genau wie meine Krankheit es tut. Bekämpfe ich diesen Dämon, höre ich nicht auf, mich auf der Ebene des Diabetes selbst zu bekämpfen, sondern führe diesen Kreislauf des Sich-selbst-bekämpfen lediglich fort.
Frieden ist immer die Lösung, davon bin ich fest überzeugt.

Frieden erfuhr ich hier in den ersten Tagen sehr oft im Wald.
Das Waldgebiet liegt direkt an der tschechischen Grenze und ist nahezu unberührt. Die Wege sind teilweise klassische Waldwege und Kieswege, aber auch verschlungene Wiesenwege, oft sogar bemoost, manchmal Hohlwege mit hoher Böschung.
Ein Areal des Friedens, in dem im Sekundentakt Tagpfauenaugen, Kleine Füchse (Die Schmetterlinge) und Zitronenfalter meinen Weg kreuzten. Menschen traf ich selten. Nach einer Woche Waldwanderungen kann ich von zwei flüchtigen Begegnungen berichten.

Kleiner Fuchs

Meine erste Vision erhielt ich am vierten Tag auf einer Wanderung durch den Wald, als ich einem Wesen begegnete, das mich in die Verbundenheit und Liebe des Waldes führen sollte und eine wichtige Botschaft für mich hatte.

~ Fortsetzung folgt ~


Zu den anderen Teilen der Holzhau-Erzählung geht es hier:
Teil 1: Fastentagebuch 2016 – Große Erwartungen
Teil 2: Fastentagebuch 2016 – Im Wald der Wandlung
Teil 3: Fastentagebuch 2016 – Stille
Teil 4: Fastentagebuch 2016 – Lebendige Steine
Teil 5: Fastentagebuch 2016 – Licht und Dunkelheit
Teil 6: Fastentagebuch 2016 – Das Despacho (In Arbeit)
Teil 7: Fastentagebuch 2016 – Chaos und Ordnung (In Arbeit)
Teil 8: Fastentagebuch 2016 – Retrospektive (In Arbeit)

Zu meinen Fastenhistorien:
Teil 1: Fastenhistorie 2012
Teil 2: Fastenhistorie 2013
Teil 3: Fastenhistorie 2014
Teil 4: Fastenhistorie 2015 – Teil 1
Teil 5: Fastenhistorie 2015 – Teil 2 (In Arbeit)
Teil 6: Fastenhistorie 2016 (In Arbeit)
Teil 7: Fastenhistorie 2017 (In Arbeit)

Fastentheorie:
Teil 1: Fastentheorie.


Ähnliche Beiträge
Nicht nur das Gefühl des
Januar 2014 – Bad Brambach
Vorwort Nachdem ich ja mittlerweile

Hinterlasse einen Kommentar

8 Kommentare auf "Fastentagebuch 2016 – Teil 1: Große Erwartungen"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz