Die kleinen Dinge am Wegesrand 4


Carolin vom Blog Berg- und Flachlandabenteuer hat vor einiger Zeit schon zu einer Blogparade aufgerufen, die sofort mein Interesse geweckt hatte:

Manchmal fehlt er – der Blick für das Nebensächliche, fürs Detail. Wie oft läuft man vorbei an kleinen Schätzen, die nicht immer sofort wahrgenommen werden? Im hektischen Alltag sowieso. Wir eilen durch die Straßen ohne einen Blick nach rechts oder links. Übersehen dabei einiges: die liebevolle Deko in den Vorgärten, ein originelles Schild oder das Vogelnest im Baum.

Entdecken lässt sich aber überall etwas. Man muss nur danach suchen. Neugierig wie ein kleines Kind sein, die Geschwindigkeit drosseln, entschleunigen. Wer bekannte Pfade verlässt, den Blick auf Verborgenes wirft, findet sie: die klitzekleinen Dinge am Wegesrand, die das Leben manchmal schöner machen können.

Sowohl das Thema als auch die schöne Original-Umsetzung haben mich und auch sehr viele andere Blogger so sehr inspiriert, dass die Aktion glücklicherweise kurzerhand verlängerte wurde – Ein Glück für mich, konnte ich mir so doch noch etwas mehr Zeit für meinen Beitrag nehmen (weil ich immer alles auf den letzten Drücker machen muss), den ich passend zur Parade ähnlich aufbauen möchte, wie Carolin selbst das auch getan hat:

Ich versuche euch im Folgenden also auf eine kleine Reise aus einigen einzelnen kommentierten visuellen Eindrücken mitzunehmen, die in der Zivilisation, dem Heim und der Wärme beginnt:


Wir treten aus unserer Tür und das erste, was wir uns fragen, als wir die Skulptur davor sehen, ist: „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Aber wir verstehen schnell, dass die Skulptur eine urbane Botschaft ist:

 

„Wir sind Rebellen der Stadt. Was wir nicht dürfen, tun wir aus Trotz. Kein Schild kann uns erzählen, was wir bekleben dürfen und was nicht!“

 

Alles unbelebte wird belebt, bekommt ein Gesicht, ein Lächeln und wird Teil des kindlichen Rebellentums.

 

Hin und wieder überlassen wir auch der Natur unsere Bauten, lassen sie von ihr verschönern, erleben unsere Abenteuer in neuen Häusern.

 

Wir formen Figuren aus Kupfer, Zinn und Stahl: Geländerkunst. Wir bleiben Kinder.

 

Tee trinken wir nur aus riesigen, überdimensionierten Kannen und Tassen und…

 

… unsere Gedichte schreiben wir in langen Nächten, nicht in unser Tagebuch, sondern auf hübsches Briefpapier und schicken es mit dem Poesie-Briefkasten an all die anderen hoffnungslosen Romantiker. Denn:

 

Auf der Straße der Jugend können wir dichten, denken, basteln, Künstler sein und Welten erschaffen. Wir wollen spielen!

 

Solange bis der Spielplatz eines Tages dunkel und grau wird, einsam und leblos vor uns aufragt und uns etwas sagen zu wollen scheint.

 

Die Figuren unserer Fantasie, einst wunderschöne Geschöpfe, werden zu Trollen, Zwergen und Gnomen, beginnen uns überall, sogar in unseren Träumen, mit leeren, dunklen Augen anzustarren und mit langen, dürren Fingern auf uns zu zeigen.

 

Mit dem Alter kommt die Weisheit und die Botschaft der Zwerge wird uns immer klarer:

 

Sie selbst sind unsere Geißeln  und müssen bröckeln. Die Welt kann wieder echt und bunt sein.

 

Ein letztes Mal blicken wir zurück auf unser einstiges Heim und setzen unseren Weg fort, raus aus der Stadt, zurück zur Natur.

 

Die Grenzen verschwimmen und die Natur verleibt sich unsere Schilder, unsere Begrenzungen ein, übernimmt die Kontrolle. Ankleben verboten!

 

Die erste Frühlingsblume ist das erste Leben hinter der Grenze, das uns begegnet.

 

Wir treffen den Wächter des restlichen Weges.

 

Und Aufbruchstimmung packt uns. Wir wollen fliegen und die Welt entdecken!

 

Ein Echo aus der Vergangenheit erinnert uns an die Gnome aus unseren Träumen. Noch immer verschwimmen die Grenzen zwischen Schein…

 

… und Sein.

 

Wir irren weiter durch den Wald, ein Nebel zieht auf und wir finden uns schließlich an einem unscheinbaren Monument wieder, dem Katzenstein, der uns wieder eine Richtung weist.

 

Endlich ein Schild!

 

Die Reise war lang und ereignisreich, deshalb ruhen wir uns am Strand erst mal aus.

 

Und beobachten fasziniert die Fische, die sich zu hunderten auf engstem Raum tummeln. Sie strahlen Kälte aus.

 

Diese Kälte wird immer deutlicher, nachdem wir weitergegangen sind: Der Herbst kommt, und die Sonnenblumen senken unterwürfig ihre Köpfe.

 

Wieder kommen wir an eine Grenze, diesmal an ein Tor, inmitten der kargen Herbstlandschaft. Wir durchschreiten es.

 

Und landen in einem Wunderland aus Kälte, Schnee und Eis. Eingefrorene Knospen erzählen von besseren Zeiten und locken mit Enthüllungen großer Geheimnisse.

 

Dort, wo Hase und Hase sich gute Nacht sagen. Genau wie die beiden haben wir eigentlich nie aufgehört zu spielen.

 

Viele Dinge wirken klein und unbedeutend aus unserer kleinen und noch viel unbedeutenderen Perspektive. Aber auch magisch. Ganz besonders wenn wir immer ein bisschen Kind und Abenteurer bleiben. Denn all diese kleinen Dinge am Wegesrand sind in Wirklichkeit:

 

Viel bedeutender als sie scheinen.

 


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4 Kommentare auf "Die kleinen Dinge am Wegesrand"

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